SOS, Friedrich!

Der Hilferuf der Kandidatin ist unüberhörbar: SOS, Friedrich! Allein der Name Friedrich Merz bringt schon Glanz in Angela Merkels angeschlagene Wahlkampf-Hütte. Das ist das Kalkül. Und Merz spielt mit, weil er starke Verbündete hat, weil die Macht ihn lockt.

Der Hilferuf der Kandidatin ist unüberhörbar: SOS, Friedrich! Allein der Name Friedrich Merz bringt schon Glanz in Angela Merkels angeschlagene Wahlkampf-Hütte. Das ist das Kalkül. Und Merz spielt mit, weil er starke Verbündete hat, weil die Macht ihn lockt. Auf den letzten Metern droht Schwarz-Gelb also die Luft auszugehen. Aber nicht deshalb, weil die Kanzlerkandidatin mit der Berufung von Paul Kirchhof zum Finanzexperten einen schweren Fehler begangen hat. Es darf daran erinnert werden, dass mit Ausnahme von Rot-Grün kaum jemand nicht von einem gelungenen Schachzug, von einem Überraschungscoup gesprochen und geschrieben hat. Bei aller Kritik im Detail, dabei bleibt es auch. Unbequeme Visionäre, mutige Quereinsteiger, die anstoßen wollen, hat die Politik dringender denn je nötig. Dass Kirchhof sich der politischen Tortur aussetzt, verlangt sogar Respekt. Und wenn nun die FDP plump auf ihn einprügelt, ist das an Verlogenheit kaum mehr zu überbieten. Merkel hat aber etwas naiv unterschätzt. Die Radikalität von Kirchhofs Vorstellungen taugt zwangsläufig zur drastischen Anti-Kampagne, wie die SPD derzeit geschickt beweist. Und zwar dann, wenn es nicht gelingt, den Unterschied zwischen Vision und politisch Gewolltem deutlich klarzustellen. Hier hat die Union kräftig versagt. Deswegen geht jetzt die Kirchhof-Angst durchs Land. Und deswegen drohen am Sonntag ganz lange, schwarz-gelbe Gesichter. nachrichten.red@volksfreund.de