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SPD-Abgeordnete Katarina Barley aus Schweich wird Bundesfamilienministerin

Trier/Berlin. Die Schweicher SPD-Frau Katarina Barley hat es in Berlin rasch nach oben geschafft und merkt nun, dass an der Spitze ein rauer Wind weht. Rolf Seydewitz

War es Zufall? Oder hatte die Schweicher Bundestagsabgeordnete Katarina Barley womöglich schon eine Vorahnung, als sie an Christi Himmelfahrt im Moselort Leiwen vorbeischaute? Mehrere Tausend kleine und große Besucher vergnügten sich dort beim großen Fest des Familienbündnisses Römische Weinstraße. Die Initiative zu den bundesweit veranstalteten Aktionstagen ging vor über zehn Jahren vom Bundesfamilienministerium aus.
Am Dienstag wurde bekannt, dass Katarina Barley dieses Ministerium zukünftig leiten soll - als Nachfolgerin ihrer Parteifreundin Manuela Schwesig, die Ministerpräsidentin in ihrem Heimatbundesland Mecklenburg-Vorpommern wird.

Als Parlamentsneuling erst SPD-Generalsekretärin und dann Bundesministerin - ein solcher Sprung nach oben auf der politischen Karriereleiter, wie Katarina Barley ihn in dieser Legislaturperiode hingelegt hat, gelingt wohl nicht vielen. Dabei war schon die anderthalb Jahre zurückliegende Nominierung Barleys zur Generalsekretärin durch den damaligen SPD-Chef Sigmar Gabriel selbst für viele Parteifreunde eine Überraschung. Im Berliner Politbetrieb zuckten damals nicht wenige mit den Schultern, weil ihnen der Name der promovierten Juristin zuvor noch nie untergekommen war. Dabei gehörte sie als Justiziarin der SPD-Bundestagsfraktion immerhin dem geschäftsführenden Fraktionsvorstand an.

Später als viele andere, mit 25 Jahren, war die gebürtige Kölnerin Barley der SPD beigetreten. "Die Ungerechtigkeit, dass in Deutschland nach wie vor die soziale Herkunft über den Erfolg im Leben entscheidet, dass Armut krank und Krankheit arm macht, dass die Schere zwischen Arm und Reich immer weiter aufgeht", nannte die Tochter einer deutschen Mutter und eines britischen Vaters rückblickend als Motive für den Parteieintritt.

Die Juristin übernahm in der SPD schnell Verantwortung, wurde auf Anhieb Vorstands- und Ortsbeiratsmitglied in einem Trie8rer Stadtteil. 2005 kandidierte Barley für das Amt des Trier-Saarburger Landrats, unterlag allerdings gegen den CDU-Bewerber Günther Schartz.

Mit ihrem Ergebnis von knapp 45 Prozent hatte die zuvor in der Region noch weitgehend unbekannte, aber äußerst strebsame Politikerin auf sich aufmerksam gemacht. Die damalige Trierer SPD-Vorsitzende Malu Dreyer wurde eine von Katarina Barleys Fürsprechern in der Partei. "Ohne Dreyer hätte ich auch nicht für den Bundestag kandidiert", sagte Barley später.

Die Mutter zweier Söhne arbeitete zunächst als Vertreterin des Landes im luxemburgischen Haus der Großregion, war später als Richterin in Trier und Wittlich tätig, bevor sie 2008 ins rheinland-pfälzische Justizministerium wechselte. Da war in SPD-Kreisen längst klar, dass auch dieser Posten für die gebürtige Kölnerin nur eine Übergangsstelle sein würde.

Im September 2013 zog die mit ihrer Familie in Schweich bei Trier wohnende Politikerin für die SPD über die Landesliste in den Bundestag ein. Katarina Barley holte im Wahlkreis Trier fünf Prozentpunkte mehr Stimmen als die SPD, unterlag aber im Kampf um das Direktmandat klar dem CDU-Kontrahenten Bernhard Kaster.
"Ich will eine gute Abgeordnete für die Region sein und in der SPD-Fraktion gute Arbeit machen", sagte sie zu Beginn ihrer bundespolitischen Karriere. Das klang nicht nach hochfliegenden Plänen. Doch Barley selbst machte auch keinen Hehl daraus, dass sie ambitioniert ist. "Wenn ich mir einen Traumjob aussuchen könnte, dann Bundespräsidentin", sagte sie im Vorfeld der letzten Bundestagswahl in einem Gespräch mit unserer Zeitung.
Ganz so weit hat die 48-Jährige es in dieser Legislaturperiode nicht gebracht. Und als SPD-Generalsekretärin musste Barley in den vergangenen Wochen zudem erfahren, wie hart das politische Geschäft mitunter sein kann. Nach drei verlorenen Landtagswahlen am Stück und sinkenden Umfragewerten nahm zuletzt die innerparteiliche Kritik an der zuvor erfolgsverwöhnten Katarina Barley zu, die als Generalsekretärin hauptverantwortlich ist für den SPD-Bundestagswahlkampf. Dass der furios gestartete Schulz-Zug nicht mehr richtig zieht, wurde auch Barley angelastet.
Als am Dienstagvormittag die ersten Meldungen vom bevorstehenden Wechsel Manuela Schwesings nach Mecklenburg-Vorpommern kursierten, dauerte es nicht lange, bis Katarina Barley als wahrscheinliche Nachfolgerin gehandelt wurde. So könne SPD-Kanzlerkandidat Martin Schulz aus der Not eine Tugend machen und noch rechtzeitig vor der Bundestagswahl einen Mann seines Vertrauens als schlagkräftigen neuen SPD-Generalsekretär installieren, glaubten sogleich die gewöhnlich gut unterrichteten Kreise zu wissen.
Sie behielten recht. Am Nachmittag gab Martin Schulz die Personalrochade bekannt. Der SPD-Kanzlerkandidat nahm die scheidende Generalsekretärin dabei in Schutz. Ihr Nachfolger Hubertus Heil finde ein geordnetes Haus vor, sagte Schulz. Ein wenig mehr Zuspruch dürfte sich die Trierer Sozialdemokratin da schon gewünscht haben.