SPD-Desaster

BERLIN. Als die ersten Wahlprognosen über die Bildschirme flimmerten, brach vielsagendes Schweigen aus. Rund 48 Prozent für die Union in der einst so stolzen sozialdemokratischen Hochburg Hamburg. Das schmerzte die Genossen im Berliner Willy-Brandt-Haus tief.

Nach der Vorhersage in der ARD blieb zwar noch ein Fünkchen Hoffnung auf eine rot-grüne Mehrheit. Doch auch die sollte sich in der nächsten Stunde zerschlagen. Mit rund 30 Prozent hatte die SPD das schlechteste Ergebnis in der politischen Nachkriegsgeschichte der Hansestadt erzielt. Wohl in düsterer Erwartung der Niederlage ließ sich zunächst auch kein prominenter Sozialdemokrat blicken. So blieb das Buffet mit Hamburger Graupensuppe, Heringssalat und rote Grütze den Mitarbeitern des Hauses und den anwesenden Journalisten vorbehalten. Letzteren servierte man auch politische Kost. "Das ist für uns ein klarer Achtungserfolg", meinte ein Ideologie-Arbeiter tapfer. Schließlich habe die Partei noch vor wenigen Wochen in Umfragen bei 22 Prozent gelegen. Ganz so euphorisch wollte sich Franz Müntefering die Niederlage nicht schön reden. Der angehende Chef-Sozialdemokrat ging erst um 18.36 Uhr vor die Kameras und Mikrofone. Der scheidende Generalsekretär Olaf Scholz, der sonst immer die Wahlschlappen interpretieren musste, war diesmal an den Ort des Wahlgeschehens gereist. Schließlich ist er auch Landevorsitzender in der Hansestadt. Müntefering gestand unumwunden ein, dass die Bundespartei den Genossen an der Alster "keinen Rückenwind" brachte. Zwischen Zeilen ließ er erkennen, dass den Hamburger Genossen durch die Personalentscheidung wohl der ganz große Absturz erspart geblieben ist. In den ersten Minuten nach Schließung der Wahllokale hatten auch die Grünen noch die Hoffnung gehegt, es könnte mit dem Wunschpartner SPD für eine gemeinsame Regierung reichen. "Das wird eine spannende Sache", befand etwa die Parteivorsitzende Angelika Beer. Doch ebenso wie bei den Genossen folgte auch hier schnell die Ernüchterung.