Spiel ohne Grenzen

Er trägt das Völkerverbindende schon im Namen, der Jazzclub Eurocore. Der Verein, der 2013 seine Auflösung beschlossen hat, soll laut Satzung sein Restvermögen der Stadt für einen guten Zweck überlassen. In der Aufnahmeeinrichtung für Asylbegehrende (Afa) bei Trier-Euren wird das jetzt praktisch umgesetzt.

Trier. Es liegt Musik in der Luft in der Afa bei Trier-Euren: Die Einrichtung hat soeben ein E-Piano als Dauerleihgabe erhalten. Jetzt steht es in einem Raum, in dem normalerweise erste Deutschkenntnisse vermittelt werden - und einige der Anwesenden (in dieser Nebenstelle der Haupteinrichtung in Trier-Nord sind fast nur Männer untergebracht) klimpern sofort ein wenig auf dem Gerät herum. In Zukunft soll es den Flüchtlingen die deutsche Sprache auch über Musik näher bringen - als Vermächtnis des Jazzclub Eurocore. Der hat im Frühjahr 2013 seine Auflösung beschlossen, die Vereinssatzung sah vor, sein Restvermögen der Stadt für einen wohltätigen Zweck zu überlassen.
Als Vorsitzender des Clubs überlegte Thomas Schmitt zusammen mit Georg Kern vom Musikhaus Reisser, was dieser Zweck sein könnte. "Ich habe 36 Jahre lang Jazzkonzerte veranstaltet,", erklärt er, "und dabei Menschen aus allen Erdteilen erlebt, die mit ihrer fantastischen Musik und ihren Persönlichkeiten begeistert haben." Um nun etwas zurückzugeben, steht also heute das von Kern als Dauerleihgabe überreichte Instrument in der Afa, während das Vereinsvermögen - mehr als 5000 Euro - für die musikalische Sprachbildung bereitsteht.
Die übernimmt zunächst der Gesangslehrer und Chorleiter Martin Folz: Er kommt schon seit sechs Wochen zwei mal pro Woche in die Afa und unterstützt Gerald Fahl, der dort 27 Stunden in der Woche Deutschunterricht abhält, um den Flüchtlingen, die meist er seit wenigen Tagen in Deutschland sind, allererste Sprachkenntnisse zu vermitteln. Das schafft er durch einfache Lern-Lieder, in die das soeben Gelernte eingebaut wird. "Über Rhythmen und Reime kann man vieles doch so viel besser und intuitiver lernen", erklärt er - und hofft, das manchmal auch einfach nur gemeinsam musiziert wird: "Kürzlich hatte ich einen ganz berührenden Moment, als sich Syrer und Afghanen gegenseitig Lieder aus ihrer Heimat vorgesungen haben", erzählt er.
Thomas Egger ist begeistert von der Idee. "Wir können den Menschen zeigen, dass sie hier willkommen sind, und dabei das Nützliche mit dem Angenehmen verbinden", glaubt er. Zudem plädiert er im Umgang mit den Flüchtlingen für Geduld und Toleranz - ebenso wie Dagmar Barzen von der ADD: "Das ist genau das Richtige: wie sich die Bürger hier einbringen und sich informieren, wer hier lebt und mit welchen Schicksalen!" Gleichzeitig verspricht sie, auch von Behördenseite für mehr Vermittlung zu sorgen, und kündigt für den 14. Januar einen Tag der offenen Tür in der Afa ein, zu dem dann auch die Bevölkerung eingeladen wird.