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Sport für Herzpatienten in Gefahr: Zu wenig Ärzte

Sport für Herzpatienten in Gefahr: Zu wenig Ärzte

Krankenkassen bezahlen Herzinfarktpatienten zwei Jahre lang sportliche Übungen, um ihre Gesundheit zu stärken. Aber nur, wenn die Übungen von einem Arzt begleitet werden. Doch in vielen Gruppen in der Region fehlt die medizinische Betreuung. Sie müssen Patienten abweisen.

Trier. Herzinfarkt. Jedes Jahr sind über 1100 Menschen in Rheinland-Pfalz betroffen. Die meisten überleben und ändern dann ihr Leben. Treiben mehr Sport. Mindestens zweimal die Woche wird empfohlen. In den ersten zwei Jahren nach dem Infarkt sollte der Sport idealerweise unter medizinischer Aufsicht stattfinden. Etwa in sogenannten Herzgruppen, wie sie vielerorts von Sportvereinen angeboten werden. Die Kassen erkennen Herzsport als Rehabilitation an und übernehmen die Kosten für zwei Jahre, wenn die Gruppe von einem Arzt betreut wird. Und genau darin liegt das Problem. "Wir finden keine Ärzte mehr", sagt Michael Keck. Er ist Landesvorsitzender des Verbandes für Prävention und Rehabilitation von Herz-Kreislauferkrankungen. Die Folge des Ärztemangels: Viele der 322 Herzsportgruppen im Land müssen Patienten abweisen. Ohne einen Arzt, der vor Beginn und am Ende Blutdruck und Puls misst und im Notfall Patienten behandeln kann, darf in den Gruppen nicht trainiert werden. Einen Grund sieht Keck im allgemeinen Ärztemangel und der damit einhergehenden Überlastung vieler Mediziner. "Der Druck in den Krankenhäusern ist heutzutage enorm. Vor allem junge Ärzte haben dann keine Lust mehr, sich in ihrer Freizeit ehrenamtlich in Herzsportgruppen zu engagieren", sagt Bernd Krönig. Der frühere Chef-Internist des ehemaligen evangelischen Krankenhauses in Trier ist Vorsitzender des Gesundheitsparks in Trier.
28 Mediziner benötigt


Mit 28 Herzgruppen und über 500 Teilnehmern ist der private Verein der größte Anbieter im Land für Herzsport. 28 Ärzte würden benötigt, um das Angebot aufrechtzuerhalten, sagt Krönig. Doch gerade mal knapp halb so viele habe der Verein.
Auch Sportvereine in der Region klagen über den Ärztemangel für die Herzgruppen. Knapp 30 Euro erhalten die Mediziner pro Übungsstunde.
Der Bedarf sei da, sagt Gesundheitspark-Geschäftsführer Holger Jungandreas. Pro Woche kämen bis zu 14 neue Herzpatienten bei ihnen hinzu, darunter viele Jüngere. Wenn sich keine Ärzte fänden, müssten die Patienten womöglich weite Wege bis zur nächsten Herzgruppe auf sich nehmen oder in Eigenregie ohne ärztliche Aufsicht trainieren - was gefährlich sein könnte.
Krönig will nun bei der Landesärztekammer erreichen, dass Ärzte in Ausbildung verpflichtend ein Praktikum in Herzsportgruppen machen.
Eine Liste mit einer Übersicht von Herzgruppen in der Region findet sich unter <%LINK auto="true" href="http://www.rheinland-pfalz.dgpr.de/herzgruppenverzeichnis.html" class="more" text="www.rheinland-pfalz.dgpr.de/herzgruppenverzeichnis.html"%>