Starke Schwäche

Zum Jahresende sind die Bundesbürger besonders sensibel für gute Nachrichten, für Dinge, die Hoffnung machen, für Prognosen, die Heil und Segen versprechen. Das ist ihre kleine Schwäche, die sie verletzlich macht, aber auch eine Eigenschaft, die zutiefst menschlich und deshalb auch sympathisch ist.

Würden wir nicht in den Phasen der Veränderung ein gewisses Maß an Optimismus und Vertrauensseligkeit besitzen, dass doch alles besser, zumindest aber gut wird, so stünde vieles still. Das gilt in besonderem Maße für die deutsche Wirtschaft, die darauf angewiesen ist, Innovationen zu entwickeln, den Erfindergeist zu wecken und zu fördern und nicht auf der Stelle zu treten. Dass Deutschland europaweit bei den Patenten die Nase vorn hat, zeigt, dass das Land weiterhin die Heimat gut ausgebildeter Fachleute ist. Sie bündeln Wissen und Erfahrung und haben die Kompetenz, Probleme zielstrebig anzugehen und zu lösen. Ausbildung der Jungen und Weiterbildung der Erfahrenen sowie Kreativität am eigenen Arbeitsplatz sind der Grundstock der Innovationsfähigkeit; die Freiheit, Neues ausprobieren zu dürfen, und die Herausforderung, sich von anderen abheben zu müssen, sind die unabdingbaren Voraussetzungen dafür, dass sich auch etwas in den Betrieben tut. Beides darf folglich nicht aus den Augen verloren werden - weder von den Chefs noch von den Beschäftigten. Die Zeichen stehen momentan gut, dass sich neue Ideen auch in bare Münze wandeln lassen, jede Innovation hungrig vom Markt aufgesogen wird. Wer dies erkennt, seinen Optimismus in die Tat und seinen Erfindergeist in Ideen umzusetzen weiß, muss sich seiner kleinen Schwäche der Heilserwartung zum Jahreswechsel auch nicht schämen. s.schwadorf@volksfreund.de