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Startverbot für deutsche Brieftauben

Startverbot für deutsche Brieftauben

KONZ-KOMMLINGEN. Deutsche Brieftauben bekommen momentan keine "Start-Erlaubnis": Aus Angst sie könnten aus Belgien und den Niederlanden die Geflügelpest einschleppen, hat die Bund-Länder-Konferenz ein generelles Flugverbot ausgesprochen. In der Region Trier-Bitburg trifft dies rund 70 Taubenzüchter.

Flügelrascheln, trippelnde Schrittchen auf Holz - hektisch rennen dieTauben von Albert Kreber in ihrem Schlag hin und her. Dann öffnetder Taubenliebhaber ein kleines Schiebetürchen an derAußenwanddes hölzernen Schlags, der die Größe von drei aneinandergereihten Fertig-Gartenhäuschen hat. Nacheinander schlüpfen etwa30 Brieftauben aus der kleinen Öffnung und flattern überBaumwipfel aus dem Blickfeld. In Kreisen ziehen sie um den Schlagherum. "Die Tiere stehen in Saft und Kraft und wären bereit zu fliegen", sagt Siegfried Herz aus Daufenbach.

Doch momentan dürfen sie sich nur in einem engen Radius um den Schlag bewegen. Die Bund-Länder-Konferenz hat nämlich angesichts der wachsenden Gefahr einer Ausbreitung der Geflügelpest ein generelles Flugverbot für Brieftauben beschlossen. Die auch als Vogelgrippe bezeichnete Krankheit überträgt sich durch engen Kontakt der Tiere, aber auch über die Luft auf einer Distanz von ein bis zwei Kilometern. Im Kampf gegen die Ausbreitung der Seuche haben die Niederlande und Belgien bereits über 26 Millionen Hühner, Puten, Enten und Gänse notgeschlachtet.

"Die Trainings- und Wettbewerbsflüge in den nächsten Wochen sind abgesagt", sagt Albert Kreber, Brieftaubenzüchter in der dritten Generation und Vorsitzender der Reisevereinigung Trier. Von April bis Anfang September ist für die Vogelliebhaber Hochsaison. 13 Preisflüge waren für diesen Zeitraum geplant.

"Wir arbeiten das ganze Jahr auf diese Flüge hin. Es tut mir in der Seele weh, dass wir dieses Jahr nicht starten können." Der pensionierte Konditormeister verbringt täglich bis zu drei Stunden an dem Taubenschlag, im Sommer sogar bis zu fünf Stunden. "An den Wochenenden bekommt mich meine Frau dann kaum zu Gesicht", gesteht er. Wenn seine Tauben irgendwo in Frankreich oder an der spanischen Grenze zu einem Wettflug starten, dann steht Kreber sonntags oft schon um sechs Uhr auf. "Ich bin dann total nervös. Dann sitze ich schon morgens am Schlag und schaue in den Himmel."

Die abgesagten Flüge bedeuten für die Züchter hauptsächlich einen ideellen Verlust. "Wir sparen natürlich viel Geld, wenn die Tauben nicht starten.

Viel Zeit und Geld in die Zucht investiert

Wir investieren aber auch viel Zeit und Geld, um Spitzentauben an den Start zu bekommen." 20 000 bis 25 000 Euro sei eine sehr gute Brieftaube wert, Wettbewerbe fliegen können sie nur drei bis vier Jahre. "Die Kondition und die Orientierung lässt nach, wenn sie nur im Schlag sitzen", sagt Kreber.

"Die Leute können ihrem Hobby nicht nachgehen und sie verlieren viel Anerkennung", sagt Siegfried Herz, der früher selbst Brieftauben hielt und seitdem "mit dem Bazillus dieses Sports infiziert" ist.

Dennoch haben Herz und Kreber volles Verständnis für das Flugverbot. "Das muss befolgt werden. Da sind sich die Züchter in der Region einig. Wer sich nicht daran hält, schädigt sich und seine Freunde", warnt Herz. Ein Dorn im Auge sind ihm die Stadttauben. "Der Schaden durch diese Tauben dürfte viel größer sein. Die schleppen viele Krankheiten ein." Mit Nervosität blickt Kreber den kommenden Wochen entgegen. Er hat noch Hoffnung, dass "in zwei, drei Wochen alles vorbei ist". So lang erwartet er ungeduldig eine Entwarnung in der Zeitschrift "Die Brieftaube", die ihm wöchentlich ins Haus flattert und blickt hoffnungsvoll in den Himmel.