Statistik: Wo die Diebe zuschlagen

Statistik: Wo die Diebe zuschlagen

Je größer der Unterschied zwischen Arm und Reich, desto mehr Einbrüche - diesen Schluss ziehen Experten aus der aktuellen Einbruchsstatistik der Polizei. Die Region bleibt von den Verbrechern weitestgehend verschont.

Trier. Chronik eines Herbsttages:

Gerolstein, 16. Oktober: Einbruch in ein Einfamilienhaus

Landscheid/Bergweiler, 16. Oktober: Einbruch in ein Wohnhaus am Nachmittag,

Trier, 16. Oktober: Einbruch in die Kindertagesstätte St. Paulin, 1000 Euro Schaden.

Ein Datum, ein Verbrechen. Die Meldungen über unerlaubtes Eindringen in Gebäude sind an der Tagesordnung. In der Region Trier wurde im vergangenen Jahr 638-mal eingebrochen, was allerdings nur zwei Prozent aller Straftaten ausmacht.

Reinhard Rothgerber, Sprecher der Polizei Trier, ergänzt damit die Zahlen der aktuellen Kriminalstatistik der Polizei, die passend zur Winterzeit, wenn die Tage kürzer werden und Einbrecher vermehrt um die Häuser schleichen, ausgewertet wurde. Fazit der Studie: Zwischen Nord- und Süddeutschland, zwischen Stadt und Land gibt es große Unterschiede bei der Häufigkeit des Verbrechens (siehe Grafik). "Je größer die soziale Ungerechtigkeit in einer Region, desto mehr Einbrüche gibt es", resümiert Dietrich Oberwittler vom Max-Planck-Institut für ausländisches und internationales Strafrecht in Freiburg. Hinzu komme die Größe der lokalen Drogenszene. Süchtige hätten weniger Hemmungen, in Wohnungen einzubrechen, um sich Geld für Drogen zu besorgen. Die Stadt Trier liegt mit 180 Fällen pro 100 000 Einwohner über dem Bundesdurchschnitt (98), aber noch deutlich unter dem negativen Spitzenreiter Bremen mit 438 Fällen.

In der Moselstadt sind die Einbruchsdelikte im Jahr 2009 tendenziell rückläufig, nachdem sie 2008 im Vergleich zu 2007 leicht zugenommen hatten, sagt Polizeisprecher Reinhard Rothgerber auf TV-Anfrage. Laut Studie, die sich auf die Zahlen aus dem Jahr 2008 bezieht, ist die Zahl der gelungenen Einbrüche in den Kreisen Trier-Saarburg, Bitburg-Prüm, Bernkastel-Wittlich und Vulkaneifel bereits rückläufig. Die Unterschiede zwischen Trier und den Umlandkreisen sind zum Teil sehr deutlich: Bernkastel-Wittlich verzeichnet nur 53 Einbrüche pro 100 000 Einwohner. "Die Großstadt Trier bietet auf engem Raum mehr Tatgelegenheiten für potenzielle Einbrecher. Durch fehlende soziale Kontrolle herrscht auch mehr Anonymität", sagt Rothgerber.

Dass auch in den Kreisen Bitburg-Prüm und Trier-Saarburg die Zahlen noch relativ hoch seien (mehr als 100 Fälle), könne mit der Grenznähe zusammenhängen. Die Aufklärungsquote bei Einbruchsdelikten liegt bundes- und landesweit weiterhin auf einem niedrigen Niveau. So konnte in der Stadt Trier in rund 18 Prozent der Fälle ein Täter ermittelt werden. "Wohnungseinbrüche gehören zu den schwer aufklärbaren Delikten, da Ermittlungsansätze äußerst schwer zu gewinnen sind", erläutert Rothgerber. Große Abweichungen bei der Aufklärungsquote gebe es vor allem dann, wenn Serieneinbrecher gestellt werden - so zum Beispiel auf 40 Prozent im Jahr 1995.

Aufklären, um gar nicht erst aufklären zu müssen - darauf setzt die Polizei, um Einbrüche zu verhindern. Dabei geht es in erster Linie um den Gebäudeschutz. Im 2008 in der Trierer Palaststraße eröffneten "Beratungszentrum Polizei" und Infomobilen sollen neue Techniken, wie Alarme und Schlösser, vorgestellt werden. Denn: "Während die Zahl der Versuche steigt, geht die der gelungenen Einbrüche zurück. Dazu haben besser gesicherte Häuser und Wohnungen beigetragen." Extra Wie schütze ich mich vor einem Einbruch? Die Polizei gibt im Internet unter www.einbruchsschutz.polizei-beratung.de Tipps zu Sicherheitsmaßnahmen, wie Schlössern und Alarmanlagen an Türen und Fenstern, Kennzeichnung von Eigentum und richtigem Verhalten nach einem Einbruch. Die gemeinsam von der Polizei, der Versicherungswirtschaft und Sicherheitsunternehmen herausgegebene Internet-Seite www.nicht-bei-mir.de gibt zudem Tipps zu Sicherheitsprodukten und bietet eine Checkliste zur Sicherheit in der "dunklen" Jahreszeit. Mehr zum Thema auf volksfreund.de/extra.

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