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Steinmeier zeigt in Hamburg Flagge

Steinmeier zeigt in Hamburg Flagge

Der Bundespräsident kann nicht anders. Er muss nach Hamburg kommen. Und ein paar klare Worte sagen.

Hamburg (dpa) Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier kommt am Sonntag in eine Stadt, die gezeichnet ist von Tagen der Gewalt, von Chaos und Wut. Hamburg ist immer noch im Schock. Schon am Samstag wollte Steinmeier kommen, Flagge zeigen, der Polizei danken, Gewalttäter verurteilen. Doch so schnell ging es nicht, der Gipfel war ja noch im Gange. Ganz einfach ist es nicht für Steinmeier, sich dem Geschehen zu nähern. "Nicht nur wichtig, sondern notwendig" sei es, dass sich der Bundespräsident hier zeigt, sagt er im Hamburger Polizeipräsidium in Alsterdorf. "Respekt und Anerkennung" will er den Einsatzkräften erweisen. Und er fragt nach. Die Polizei gibt sich selbstbewusst. Immerhin sei das wichtigste Ziel, der Schutz der Gäste, erreicht worden.
Dann geht es weiter zum Bundeswehrkrankenhaus. Dort werden verletzte Polizisten behandelt. "Ganz herzlichen Dank für den Einsatz Ihrer Kolleginnen und Kollegen während des G-20-Gipfels", schreibt der Bundespräsident ins Gästebuch.
Dann aber steht Steinmeier vor den Mikrofonen. "Da sind einige mit Rücksichtslosigkeit und maßloser Zerstörungswut vorgegangen", sagt er. "Was ich gesehen habe an Bildern, das schockiert, das erschüttert mich, das macht mich fassungslos."
Und dann kommt die Botschaft des Kurzbesuchs: Große Konferenzen wie der G-20-Gipfel erreichten vielleicht nicht immer das Notwendige. "Aber wie anders soll es denn überhaupt Fortschritte geben?", fragt Steinmeier. Wenn ein demokratisch gefestigtes Land wie Deutschland sich nicht mehr in der Lage sehe, Treffen wie diese auszurichten, "dann überlassen wir die Entscheidung einigen wenigen brutalen Gewalttätern". Dass er sich damit klar von der Position seines Nachfolgers als Außenminister, Sigmar Gabriel, und von SPD-Chef Martin Schulz abgrenzt, die die G-20 künftig immer in New York sehen wollen, ist Steinmeier bewusst.
Zum Schluss des dreistündigen Besuchs kommt der Bundespräsident dem Ort der Krawalle ganz nahe. In der Polizeiwache 16, nur wenige Hundert Meter vom Schanzenviertel entfernt, trifft er geschädigte Ladenbesitzer und Anwohner. Dann macht er sich auf den Rückweg zum Flughafen.Extra: 28 POLIZISTEN AUS RHEINLAND-PFALZ VERLETZT


(dpa) Beim Einsatz auf dem G-20-Gipfel in Hamburg sind 28 Polizisten aus Rheinland-Pfalz verletzt worden. Sieben von ihnen mussten am Wochenende aus dem Einsatz abgezogen werden, wie die Staatskanzlei Rheinland-Pfalz am Sonntag mitteilte. "Wir verurteilen die Gewalt und enthemmte Zerstörungswut in Hamburg auf das Schärfste", erklärten Ministerpräsidentin Malu Dreyer - die amtierende Bundesratspräsidentin - und Innenminister Roger Lewentz (beide SPD) am Sonntag in einer gemeinsamen Mitteilung. Bei Steinwürfen seien auch Einsatzfahrzeuge der rheinland-pfälzischen Polizei beschädigt worden. Vor allem bei Einsätzen im Schanzenviertel haben die Polizisten demnach Prellungen und Knalltraumata erlitten. In der Nacht zum Sonntag habe ein Polizist Kreislaufprobleme gehabt. Zwischen 500 und 1000 Polizisten waren Sicherheitskreisen zufolge aus Rheinland-Pfalz nach Hamburg gereist, um den Gipfel mitabzusichern.