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Sterbehilfe-Debatte: „Niemand kann für einen anderen bestimmen“ - Die Stimmen der regionalen Politiker

Sterbehilfe-Debatte: „Niemand kann für einen anderen bestimmen“ - Die Stimmen der regionalen Politiker

In einer sogenannten Orientierungsdebatte wird sich der Bundestag am heutigen Donnerstag mit dem Thema Sterbehilfe befassen. In der rund vierstündigen Plenardebatte werden fast 50 Abgeordnete das Wort ergreifen. Der TV befragte vorab die regionalen Bundestagsabgeordneten zu ihrer Meinung.

Patrick Schnieder, CDU, Arzfeld: "Ich spreche mich gegen die organisierte Sterbehilfe und gegen den ärztlich assistierten Suizid aus. Staat und Gesellschaft haben die Pflicht, Leben zu schützen und würdiges Leben bis zum Ende zu ermöglichen. Der assistierte Suizid darf nicht zu einer gesellschaftlich als normal akzeptierten Option werden. Die Folge wäre ansonsten, dass ältere und kranke Menschen sich als Last empfinden und sich unter Druck gesetzt fühlen könnten, ihr Leben selbst vorzeitig zu beenden. Das widerspricht nicht nur meinem christlichen Glauben, sondern vor allem der unantastbaren Menschenwürde."

Bernhard Kaster, CDU, Trier: "Bei der Sterbehilfe handelt es sich um ein ethisch-moralisch schwieriges Thema. Deshalb finde ich es auch richtig und notwendig, dass wir im Bundestag eine offene, fraktionsübergreifende Orientierungsdebatte darüber führen werden. Auch ich möchte die Debatte noch mal zu Orientierung nutzen, um mir eine umfassende Meinung zu bilden. Im Grundsatz möchte ich den umfassenden Schutz des Lebens im Mittelpunkt sehen, auch an seinem Ende. Es wäre für mich nicht erträglich, wenn organisierte oder gar geschäftsmäßige Sterbehilfe zum allgemein akzeptierten Normalfall würde. Was wir aber sicher brauchen, ist Rechtsklarheit für die Ärzte."

Katarina Barley, SPD, Trier: "Niemand kann für einen anderen bestimmen, wann ein Leiden nicht mehr erträglich ist. Wenn ein Mensch nach Beratung und Ausschöpfen aller Möglichkeiten zu der Entscheidung kommt, seine ausweglose Krankheit nicht mehr ertragen zu können, gebührt dem jeder Respekt. Diese Entscheidung ist Ausdruck der Menschenwürde des Betroffenen. Ich halte eine ärztliche Begleitung dabei für wichtig, um eine gewaltige Last von den Angehörigen zu nehmen. Auch können Ärzte am besten über den voraussichtlichen weiteren Krankheitsverlauf und die Möglichkeiten der Schmerztherapie aufklären. Für die Hilfestellung darf es keinerlei Vergütung geben; kommerzielle Sterbehilfe-Vereine lehne ich ab."

Corinna Rüffer, Grüne, Trier: "Wir müssen dafür sorgen, dass Menschen am Lebensende nicht unter unerträglichen Schmerzen leiden - das ist etwas anderes, als die Angebote zu stärken, das eigene Leben zu beenden. Wir müssen dafür sorgen, dass sich unsere Vorstellungen von einem Leben in Würde erweitern: Es ist nicht unwürdig zu vergessen, wer man ist. Es ist nicht unwürdig, nicht selbst auf die Toilette zu gehen. Es ist würdevoll, gefüttert zu werden. Wir dürfen den Verlust von Fähigkeiten nicht mit dem erleichterten Weg in den Tod beantworten. Wir müssen politisch die Möglichkeiten schaffen, in Situationen, in denen wir uns abhängig fühlen, Raum für selbstbestimmtes Leben zu schaffen."

Peter Bleser, CDU, Cochem: "Für mich steht das menschliche Leben nicht zur Disposition - weder am Anfang noch am Ende. Die zunehmende Diskussion über Sterbehilfe lässt im Grunde Zweifel am Wert von kranken und hilfsbedürftigen Menschen erkennen. Dieser Entwicklung müssen wir uns mit der Achtung der Würde jedes Einzelnen entgegenstellen. Wichtig und dringend notwendig finde ich die kürzlich erzielte Einigung der Koalition zum Ausbau der Palliativmedizin."
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Katrin Werner, Linke, Trier: "Das Thema Sterbehilfe ist nicht nur ein sehr persönliches, sondern auch gesellschaftlich sehr sensibles Thema mit vielen Dimensionen. Ich kenne zahlreiche unterschiedliche individuelle Perspektiven von Menschen in verschiedensten Lebenslagen, auch aus meinem persönlichen Umfeld, die aus meiner Sicht alle für sich genommen ihre Berechtigung haben. Es stellt sich die Frage, ob strafrechtliche Instrumente dafür geeignet sind, gewisse Problematiken zu lösen, die im Kern von strukturellen Pflege- und Fürsorgedefiziten in unserer Gesellschaft herrühren." wie