Stimmen für den Müll

BERLIN. Die Miniparteien tauchen regelmäßig zu den Wahlen auf und verschwinden ebenso schnell wieder aus dem Bewusstsein. Die Fünf-Prozent-Hürde ist für sie unerreichbar, dennoch beleben die "Exoten" den Wahlkampf.

Eine "Mit-Sex-Zentrale" wird es auch nach den Wahlen zum 16. Deutschen Bundestag nicht geben. Mit der Idee zu einem staatlich subventionierten Swinger-Club ist die Anarchistische Pogo-Partei Deutschland (APPD) in den Wahlkampf gezogen. Die 750 Mitglieder starke Gruppierung ist eine von insgesamt 26 Parteien, die zur Bundestagswahl angetreten sind. Ähnlich wie die großen Volksparteien eine spezielle Wählerklientel vor Augen haben, wissen auch die Kleinen oder die "Sonstigen", wes Wählers Kreuz sie wollen.Wie die FDP einst an die Besserverdienenden appelierte, macht sich die APPD an das Gegenteil eines Wählers ran: "Nichtwähler", "Politikgeschädigte", "den Pöbel" und den "Sozialschmarotzer" will sie erreichen. Doch glaubt man dem Generalbevollmächtigten, Felix Gebrod, so ist es eigentlich "scheiß egal", wie das Wahlergebnis ausgefallen ist. Denn: "Der gemeine Pogo-Anarchist ist nicht von seinem Sofa wegzukriegen und auch an einem Wahlsonntag wird er seine Playstation nicht verlassen." Daher sei auch das Wahlergebnis bescheiden - "die potenziellen Wähler sind zu faul zur Wahl zu gehen", sagt Gebrod. Dazu passt auch der Wahlslogan, "meine Stimme für den Müll". Trotzdem sind 4500 Stimmen in Berlin und Hamburg zusammengekommen - nur dort haben die Pogo-"Politiker" es rechtzeitig geschafft, genug Unterschriften für die Teilnahme an der Wahl zu organisieren.

Die Partei der Bibeltreuen Christen (PBC) ist mit dem Ergebnis von bundesweit 0,23 Prozent der Stimmen sehr zufrieden. Auch "die Frauen", die feministische Partei, die bundesweit nur 120 Mitglieder hat, ist zur Wahl angetreten. Männer dürfen bei den "Frauen" zwar mitkämpfen, allerdings nur, wenn sie "sich öffentlich und laut für Frauen einsetzen", sagt Parteisprecherin Waltraut Pomper. Eine Partei mit den wenigsten Stimmen war übrigens die Humanwirtschaftspartei, die von mehr als 61 Millionen Wahlberechtigten ganze 638 Stimmen bekam.