Stoibers Papiertiger

Schon an der Gesundheitsfront sorgt Edmund Stoiber für viel Unruhe. Jetzt empfiehlt sich der Bayer auch als Verteidigungsexperte und erhitzt damit ebenfalls die Gemüter. Ginge es nach dem CSU-Chef, dann sollen junge Rekruten ihren Wehrdienst künftig nicht nur bei der Bundeswehr, sondern in den Reihen von Polizei oder Bundesgrenzschutz ableisten.

Das mag manchen sogar logisch erscheinen. Trotzdem zeugt Stoibers Idee von wenig Sachkenntnis. In seinem offensichtlichen Bestreben, die Wehrpflicht vor dem Aus zu retten, übersieht der Münchner ein entscheidendes Problem, nämlich die Finanzierbarkeit. Dass heute nur noch ein Bruchteil der Männer im wehrpflichtigen Alter Dienst tut, ist nicht nur der veränderten Sicherheitslage, sondern dem angespannten Verteidigungsetat geschuldet. Über Jahre hinweg wurden die Tauglichkeitskriterien deshalb immer enger gefasst. Zudem übersieht Stoiber die völlig unterschiedlichen Anforderungen bei der Ausbildung. Eine gute Polizeiarbeit lässt sich nicht mit einer neunmonatigen Unterweisung erzielen wie bei der Bundeswehr. Die so Ausgebildeten wären auf den Revieren eher Last als Hilfe. Ein Blick in Artikel 35 des Grundgesetzes sollte den Christsozialen außerdem darüber belehren, dass Armee und Polizei im Katastrophenfall schon heute gemeinsam operieren können. Stoibers Vorschlag ist nicht mehr als ein Papiertiger. nachrichten.red@volksfreund.de