Strahlender Schrott

Radioaktiv belastete Metallspäne aus Indien sind über einen Lieferanten aus der Pfalz auch bei einem Trierer Schrotthändler gelandet. Das Material sei von einer Spezialfirma entsorgt worden, sagt der Geschäftsführer. Bundesweit wurden über 150 Tonnen schwach strahlender Stahl sichergestellt. Keine Gefahr, beruhigen die Ministerien.

Trier. Beim Trierer Schrotthändler Theo Steil GmbH schlugen die Strahlen-Messgeräte Mitte November Alarm. Ein Indiz dafür, dass in der über einen Händler aus der Pfalz bezogenen Metall-Charge radioaktiv belastetes Material ist. "Unser Messgerät ist hoch sensibel", sagt Geschäftsführer Johannes Gondert, "selbst geringste Kontaminationen werden angezeigt."

Wie in solchen Fällen üblich, informierte das Unternehmen laut Gondert die Struktur- und Genehmigungsdirektion Nord; die radioaktiv belasteten Metallspäne wurden von einer Spezialfirma entsorgt.

So wie der Firma Steil in Trier ging es bundesweit Dutzenden weiterer Schrotthändler und Stahlwerke. Am Wochenende war bekannt geworden, dass in nahezu allen Bundesländern mit dem radioaktiven Isotop Kobalt 60 verseuchter Stahlschrott aus Indien angeliefert worden ist. Von insgesamt 150 Tonnen ist die Rede. Experten vermuten, dass in einem indischen Stahlwerk offenbar versehentlich ein Kobalt-Aggregat (wird in Hochöfen als Füllstands-Messgerät genutzt) mit eingeschmolzen wurde. Auch aus dem medizinischen Bereich, wo Kobalt in der Krebstherapie zum Einsatz kommt, könnte die Quelle stammen.

Für die Bevölkerung und die Mitarbeiter der Firmen, die die kontaminierten indischen Metallteile bezogen hatten, bestehe keine Gefahr, beruhigte das Bundesumweltministerium. "Die Strahlung entspricht Bruchteilen einer Röntgen-Untersuchung", meinte auch Stefanie Mittenzwei vom Mainzer Umweltministerium.

Der Strahlenschutz-Experte des Darmstädter Öko-Instituts, Mathias Steinhoff, fordert indes, kontaminierter Stahl dürfe nicht in den Wirtschaftskreislauf gelangen. "Es handelt sich durchaus um relevante Strahlenwerte, bei denen ein längerer Aufenthalt in der Nähe ein Risiko darstellen kann", sagt Steinhoff.

Auch die deutsche Stahl-Industrie ist beunruhigt, befürchtet wirtschaftliche Einbußen, wenn die Strahlen-Quelle nicht rasch gefunden wird. Das Bundesumweltministerium forderte indes die indischen Behörden auf, die Stahl-Betriebe besser zu überwachen. Es müsse verhindert werden, dass radioaktiv belastetes Metall exportiert werde.

Beim Trierer Schrotthändler Theo Steil vertraut man derweil auf die hochempfindlichen Messgeräte, die jede noch so kleine Kontamination anzeigen. Als das Gerät unlängst anschlug, dauerte es allerdings etwas länger, bis die ungewöhnliche Strahlenquelle lokalisiert war: ein LKW-Fahrer, dem am Vortag ein schwach strahlendes Kontrastmittel für eine Untersuchung gespritzt worden war.