Strecke im Blick, Sorge im Nacken

Strecke im Blick, Sorge im Nacken

Vielleicht finden sie ja doch noch zusammen: Die neuen Chefs am Nürburgring und die Gastwirte in der Region, die sich alle wegen der Konkurrenz direkt an der Strecke gesorgt haben. Erste Zeichen einer funktionierenden Partnerschaft mehren sich, auch wenn viele weiterhin um ihre Zukunft bangen.

Adenau/Nürburg. (fpl) Die Angst war groß bei den Eifeler Gastronomen: Zwei neue Hotels am Nürburgring, ein Ferienpark mit 100 Häusern im nahen Drees, insgesamt rund 1200 neue Betten, alle unter dem Dach der Lindner-Gruppe - das musste zu Rückgängen rundherum führen.

Hat es das auch? Das vergangene Jahr sei noch gut verlaufen, sagt Andrea Thelen vom Traditionshotel "Blaue Ecke" in Adenau. Kein Wunder: "Da war ja auch ein Haufen Bauarbeiter in der Region." Die sind nun weg - und die Gästezahlen sinken. Allerdings will sie das nicht einfach auf die neue Konkurrenz zurückführen: "Das Bild hat viele Facetten, ich glaube, dass alles miteinander zusammenhängt." So kämen weniger Besucher aus England, weil das britische Pfund schlecht stehe. Auch die Wirtschaftskrise spiele eine Rolle, von deren Auswirkungen man erst jetzt so richtig getroffen werde.

Also keine Schuldzuweisungen an die neue "Nürburgring Automotive GmbH", die seit zwei Monaten unter der Leitung von Jörg Lindner die Geschäfte am Ring führt? Nein, sagt Andrea Thelen. Lindner lasse mit sich reden - und habe den Hoteliers eine Partnerschaft angeboten. So sind mittlerweile eine Reihe von Betrieben auf der Internetseite des Nürburgrings zu finden - "und das ist wirklich sehr fair", sagt die Hotelchefin. "Letzten Endes bleibt uns nur die Kooperation mit dem Nürburgring. Wir leben ja alle davon."

Das findet auch Jörg Lindner, Gesellschafter der Hotelgruppe und Chef der Ring GmbH: "Es ist nicht unsere Absicht den Markt zu kannibalisieren. Deshalb bieten wir jedem eine Partnerschaft an, wir suchen das Gespräch und möchten gemeinsam Möglichkeiten finden, den Nürburgring und die Region zu vermarkten."

Klassische Nordschleifen-Fans bleiben die größte Besuchergruppe bei Diana Ackermann vom Hotel "Haus Marvin" in Döttingen, die auch Autos an ihre Gäste vermietet: "Ich hatte noch nie eine so gute Belegung wie dieses Jahr", sagt sie. Allerdings gab es auch Ärger, als ihre Gäste auf die Rennstrecke wollten: Sie standen vor verschlossenen Toren, weil die Piste kurzfristig an andere, vermutlich industrielle Kundschaft vergeben und für Privatfahrer gesperrt worden war.

Stefanie Hohn, Sprecherin der neuen GmbH, weiß von dem Vorfall: "Wir haben intern besprochen, dass das nicht mehr vorkommt." Am Abend soll die Strecke grundsätzlich freigegeben sein. Und da spiele es auch keine Rolle, "wo die Besucher untergebracht sind".

"Vielleicht muss man der ganzen Sache jetzt ein Jahr Zeit geben", sagt Diana Ackermann. "Jetzt steht alles da, und wir müssen sehen, dass wir damit was anfangen. Wir sollten das positiv sehen. Aber die Angst hängt einem schon im Nacken."

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