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Streit um Luxemburger Renten trotz 2700 Euro im Monat

Luxemburg. Länger arbeiten für volle Rente, Kürzung der automatischen Erhöhung der Altersbezüge, kein Weihnachtsgeld: Das sieht die Rentenreform in Luxemburg vor. Auch Grenzgänger sind betroffen. Bernd Wientjes

2700 Euro beträgt die Durchschnittsrente in Luxemburg, die Mindestrente nach 40 Jahren Beitragszahlung liegt bei 1662 Euro. Zum Vergleich: In Rheinland-Pfalz erhalten Frauen im Durchschnitt 456 Euro, Männer 1043 Euro Rente; die bundesdeutsche Durchschnittsrente liegt bei 1120 Euro. Bei einem derartigen Rentenniveau seien Einschnitte verkraftbar, argumentiert die Luxemburger Regierung. Daher hat sie eine Rentenreform beschlossen, die ab nächstem Jahr greift.
Die Gewerkschaften protestieren. Sie befürchten einen Einkommensverlust der Rentner. Im Vergleich zu den Einschnitten für Rentner in Deutschland - Arbeiten bis 67, dann 43 Prozent des Bruttolohnes als Altersbezüge - sind die im Nachbarland geplanten Änderungen bescheiden. Betroffen sind auch Grenzgänger, von denen immer mehr ins Rentenalter kommen. Der Renteneintritt soll weiter mit 65 Jahren erfolgen. Wer dann nach 40 Beitragsjahren in Rente geht, muss aber mit Abschlägen von bis zu 15 Prozent von der Rente rechnen. Wer die volle Rente haben will, kann freiwillig bis 68 arbeiten.
Künftig sollen die Renten nicht mehr wie die Löhne und Gehälter steigen, die bei höheren Lebenshaltungskosten automatisch angepasst werden. Die Jahresendzulage für Rentner von bis zu 700 Euro könnte wegfallen. Hintergrund der Reform ist die in Luxemburg steigende Zahl der Rentner, die sich bis 2050 auf über 500?000 wohl verdreifacht. Die Regierung fürchtet, dass dann die Ausgaben die Einnahmen übersteigen. Derzeit liegt der Überschuss in Luxemburgs Rentenkasse bei zwölf Milliarden Euro. Das würde ausreichen, vier Jahre lang Renten auszuzahlen. In Deutschland beträgt der Überschuss rund 28 Milliarden Euro, was für rund zwei Monate reicht.
Meinung

Die Rente ist sicher Luxemburg hat ein Luxusproblem. Die Rentenkasse ist übervoll, das Rentensystem strotzt nur so vor Gesundheit. Der Staat schießt jedem Rentner noch ein Drittel der Beiträge bei. In absehbarer Zeit droht keine Rentenkrise. Die Rente ist sicher in Luxemburg. Trotzdem baut die Regierung vor. Für die weniger goldenen Zeiten, die kommen werden. Das ist vorausschauend und nicht unklug: Wenn die Zahl der Rentner die der Beitragszahler irgendwann mal übersteigen sollte, dann will man gewappnet sein. Das Land wird quasi Opfer seines in den vergangenen Jahren fast ungebremsten Wirtschaftswachstums. Das in den 1980er Jahren eingetretene Jobwunder hat immer neue Stellen geschaffen, die fast alle mit Grenzgängern besetzt wurden. Und die kommen nun zunehmend ins Rentenalter.
Doch die im nächsten Jahr greifende Reform ist mal wieder irgendwie typisch luxemburgisch: Es wird ein bisschen was hier gedreht und da gedeichselt, und am Ende kommt ein Reförmchen raus, das keinem so wirklich wehtut. Auch wenn die Gewerkschaften auf dem Bäumchen sind und pflichtschuldigst für ihre Mitglieder protestieren, kann man diesseits der Mosel nur verwundert den Kopf schütteln, auf welchem Niveau jenseits des Grenzflusses gejammert wird. Ja, es stimmt, die automatische alle zwei Jahre erfolgte Rentenerhöhung wird reduziert. In Deutschland wird über jede Rentenerhöhung erst mal wochenlang gestritten, und schließlich müssen sich die Rentner hierzulande schon freuen, wenn sie - wie im nächsten Jahr - 1,3 Prozent mehr bekommen. Statt nach 40 Arbeitsjahren soll es in Luxemburg erst nach 43 Jahren die volle Rente geben. Auch davon kann man bei uns nur träumen, 45 Jahre und mehr muss man hierzulande buckeln, um eine Rente zu erhalten, die gerade noch 43 Prozent vom Bruttolohn betragen soll. Das Rentenniveau in Luxemburg bleibt unangetastet bei 71 Prozent. Ebenso wie die Mindestrente, die bei voller Beitragszeit immer noch deutlich höher liegt, als die Durchschnittsrente in Deutschland. Auch die Beiträge sollen vorerst in Luxemburg nicht erhöht werden.
Keine Frage: Jede Kürzung tut weh. Und sicherlich gibt es auch in Luxemburg jede Menge Rentner, die mit viel weniger als der Durchschnittsrente von 2700 Euro auskommen müssen. Auch in Luxemburg gibt es trotz allem Altersarmut. Aber im Vergleich zu Deutschland, wo sich die Koalition monatelang über eine Zusatzrente für von Altersarmut betroffene Mini-Jobber streitet, ist Luxemburg ein Rentner-Schlaraffenland. b.wientjes@volksfreund.de