Studie: Die Deutschen sind nicht schlauer als andere

Studie: Die Deutschen sind nicht schlauer als andere

Mathe, Textverständnis, Computerkenntnisse: Die Deutschen sind gerade einmal Mittelmaß - das belegt eine Studie der OECD, die 166 000 Erwachsene in 24 Ländern getestet hat. Ganz vorne sind Finnland und Japan.

Berlin. Wie schlau sind Deutschlands Erwachsene? Lesen, Rechnen, mit Computern umgehen, im internationalen Vergleich sind die 16- bis 65-jährigen Deutschen nicht klüger als andere, sondern gerade einmal Mittelmaß.
Das ist das Ergebnis der ersten "Pisa-Studie für Erwachsene", die die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) gestern in Berlin unter dem Titel "Piaac 2012" vorgestellt hat. 166 000 Bürger in 24 Ländern wurden dafür getestet, in Deutschland nahmen 5465 Personen teil. Dazu die wichtigsten Fragen und Antworten.

Was wurde geprüft?

Alltagsfähigkeiten. So mussten die Teilnehmer Texte verstehen und Informationen erkennen - zum Beispiel aus einem Medikamentenbeipackzettel oder einem kurzen Zeitungsartikel. Zudem mussten Preisnachlässe bei Sonderangeboten überschlagen oder Grafiken über unterschiedliche Geburtenraten verstanden werden. Und es gab Aufgaben wie das Sortieren und Versenden von E-Mails, die Bearbeitung von Formularen oder das Umrechnen einer Temperatur von Celsius in Fahrenheit.

Wie gut können die Erwachsenen mit Texten umgehen? Beim Verstehen und Interpretieren von Texten erreichen sie leicht unterdurchschnittliche Werte. Damit landeten sie auf dem Platz 15 von 23. Die höchsten Kompetenzstufen (4 und 5) erzielen 10,7 Prozent der Testpersonen, das ist geringer als der OECD-Durchschnitt.

Auf Stufe 1 oder noch niedriger landen 17,5 Prozent. Diese Stufe entspricht dem Niveau eines Zehnjährigen, die Befragten können also nur kurze Texte mit einfachen Wörtern lesen und ihnen stark begrenzt Informationen entnehmen. Das beste Leseverständnis haben die Menschen in Japan und Finnland. Auf den letzten Plätzen rangieren Spanien und Italien.

Welche Rechenkompetenz haben die Deutschen? Da stehen sie etwas besser da als die Menschen in anderen Ländern: 14,2 Prozent erreichen in Deutschland die Stufen 4 und 5, der OECD-Durchschnitt liegt bei 12,5 Prozent. Fast jeder Fünfte (18,5 Prozent) rangiert aber auf absolut niedrigem Niveau (Stufe 1). Das bedeutet, über einfaches Zählen und die Grundrechenarten kommt diese Gruppe nicht hinaus. Die besten Ergebnisse erzielen erneut Japan und Finnland, im Schnitt beträgt der Vorsprung dort gegenüber den Deutschen vier bis fünf Schuljahre. Italien und Spanien wurden wieder Letzte.

Fällt der Umgang mit dem Computer leicht oder schwer? Eher schwer. Viele haben nur geringe Kompetenz, wenn es darum geht, mit dem Computer zu arbeiten. So scheitern allein 12,6 Prozent an der Nutzung der Maus. Lediglich ein Drittel (36 Prozent) schafft komplexere Aufgaben, wie das Navigieren über Webseiten.

Wer ist geistig fitter - die Älteren oder die Jüngeren? Eindeutig die jüngeren Erwachsenen. Die besten Leistungen verzeichnen die 25- bis 34-Jährigen. Die schlechtesten Ergebnisse erzielen die 55- bis 64-Jährigen. Wie in anderen Ländern auch.

Seitens der Bundesregierung hieß es gestern, die erhöhten Investitionen der letzten Jahre in Bildung würden wirken.

Was belegt der Test noch?

Wieder wird aus Sicht der OECD deutlich, dass der Bildungserfolg in Deutschland vor allem von der sozialen Herkunft abhängt. Außerdem gibt es einen "starken Zusammenhang" zwischen den grundlegenden Kompetenzen und der Teilnahme am Arbeitsmarkt. Je höher die Lese- und Mathefähigkeiten, desto höher ist auch das Einkommen.

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