Suche nach Saddam

WASHINGTON. Drei völlig zerstörte Häuser, 20 weitere beschädigt und ein 18 Meter tiefer Krater - das ist das verheerende Ergebnis eines US-Angriffs auf ein Restaurant in Bagdad. Ob das eigentliche Ziel, Saddam Hussein, darin war, ist unklar.

Wieder ein "Enthauptungsschlag", wieder Rätsel um den Ausgang."Wir glauben, dass die Attacke effektiv war, was das Gebäudeangeht", formulierte am gestrigen Dienstag US-General VincentBrooks, "doch wir werden möglicherweise niemals bestimmen können,wer in dem Haus war." Dennoch glaubte die amerikanischeMilitärführung genug Hinweise darauf zu haben, dass sich SaddamHussein und einer seiner beiden Söhne in einem Gebäude imbewohnten Mansur-Viertel Bagdads aufhielten, als einB-1-Bombenflugzeug am Montag um drei Uhr nachmittags (Ortszeit)vier jeweils 2000 Pfund schwere Sprengkörper auf das Zielobjektabwarf. Das Ergebnis: Drei zerstörte Häuser, 20 beschädigt undein 18 Meter tiefer Krater dort, wo ein Restaurant mit einemangeblichen Bunker darunter stand, in dem sich der irakischeDiktator mit Mitgliedern der Baath-Partei getroffen haben soll. Mit bis zu 14 Toten rechnen irakische Rettungskräfte, die in den Trümmern der Gebäude nach Überlebenden suchten. Wie die USA feststellen wollen, ob Saddam Hussein zu diesen zählt, war unklar: Man habe bisher keinen Zugang zu dem Wohnviertel bekommen, so die offizielle Version von US-General Brooks. Da sich jedoch Sondereinheiten und CIA-Agenten in Bagdad aufhalten sollen, ist es wahrscheinlich, dass diese Zugang zur Einschlagsstelle zu gewinnen und Leichenteile für genetische Tests sicher zu stellen versuchen. Andererseits dürfte der Irak nicht daran interessiert sein, dies zuzulassen.

Das Restaurant war ins Visier genommen worden, nachdem es den USA zuvor gelungen war, den Entschlüsselungscode eines von der irakischen Führung benutzten Kommunikationssystems zu ermitteln. Dieses System "Jaguar" war während des Irak-Iran-Konflikts von 1980 bis 1988 von einer britischen Firma an den Diktator verkauft worden und soll die Stimme Saddam Husseins bei Abhörversuchen unerkennbar machen. Nun habe man jedoch durch einen "Lauschangriff" von dem Aufenthalt des Gesuchten im Restaurant erfahren.

Doch für die Ziel-Planer der US-Luftwaffe überwog offenbar trotz der Risiken für Zivilisten die Chance, den Misserfolg desersten "Enthauptungsschlags" zu Kriegsbeginn auszubügeln. Nur 45 Minuten brauchte diesmal die Militärführung, um den Angriff abzusegnen, die erst dann detonieren, wenn sie eine bestimmte Tiefe erreicht haben. Dennoch erscheint eine neue Kritik am Vorgehen der US-Militärs unvermeidlich, zumal auch drei Reporter durch amerikanischen Granatbeschuss getötetwurden. Wenig überzeugend wirkte die Argumentation, warum man das vorwiegend von Journalisten bewohnte Palestine-Hotel ins Visier genommen habe. Brooks sagte: "Wir sehen keine Journalisten als Ziel an. Deshalb müssen solche Vorfälle als Unfall gelten. Bagdad ist ein gefährlicher Ort."