Sun of Jamaika

Erstens: Westerwelle hat seine Kontra-Ampel-Position in der Wahlnacht derart festgezurrt, dass die FDP dieses eine Mal nur bei Strafe des Untergangs umkippen kann.

Erstens: Westerwelle hat seine Kontra-Ampel-Position in der Wahlnacht derart festgezurrt, dass die FDP dieses eine Mal nur bei Strafe des Untergangs umkippen kann. Zweitens: Wenn die SPD von ihrem rauschhaften Wahn erwacht ist, man könne aus der Position der zweitstärksten Fraktion oder den 42,2 Prozent für Rot-Grün einen Führungsanspruch für Schröder ableiten, wird der Kater so grausam sein, dass sie sich davon nur in der Opposition erholen kann.Bleibt also: Schwarz-Gelb-Grün. Unmöglich? "Geht nicht gibt's nicht", hat Frau Merkel im Wahlkampf gesagt. Jetzt muss sie es wahr machen, weil es ihre einzige Option ist, Kanzlerin zu werden. Dafür wird sie bereit sein, allerlei Kröten zu schlucken.

Hart ist es für die Grünen. Die Parteibasis wird's mächtig schütteln, aber sie hat auch den Kosovo-Krieg überlebt. Für die grüne Wählerschaft muss Friedensfürst Joschka Außenminister bleiben (was CDU und FDP inhaltlich verkraften dürften), dazu bleibt es beim Atomausstieg (eine recht dicke Kröte) und der Förderung alternativer Energien. Für solch hehre Ziele kann man schon mal mit Guido ins Bett steigen. Weil sich die besserverdienende grüne Stammklientel wenig um Wirtschafts- und Sozialpolitik schert, darf hier die FDP auftrumpfen, mit einem Superminister und Vizekanzler. Bei der Sanierung öffentlicher Kassen liegen die Positionen nicht so weit auseinander. Und bei der Innenpolitik könnten sich die beiden Kleinen zusammentun, um Beckstein zu bremsen - schlimmer als Schily wird er eh nicht. Als Gegenpol eine schlagkräftige rot-rote Opposition mit den Gewerkschaften im Rücken: Es sind schlechtere Alternativen denkbar.

d.lintz@volksfreund.de