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Szenen wie aus einem Gangsterfilm

Ein Polizeiwagen steht nach dem Raubüberfall im September 2009 vor dem Waffengeschäft in Kordel. TV-Foto: Archiv/Agentur siko
Ein Polizeiwagen steht nach dem Raubüberfall im September 2009 vor dem Waffengeschäft in Kordel. TV-Foto: Archiv/Agentur siko
Luxemburg. Anderthalb Jahre nach dem Raubüberfall auf ein Waffengeschäft in Kordel (Kreis Trier-Saarburg) muss sich der mutmaßliche Haupttäter seit dieser Woche in Luxemburg vor Gericht verantworten. Die Staatsanwaltschaft will den Angeklagten für 20 Jahre ins Gefängnis schicken. Das Amtsgericht Trier verurteilte einen Mittäter bereits Ende März zu einer anderthalbjährigen Bewährungsstrafe. Rolf Seydewitz

Luxemburg. "Wenn Sie schreien, sind Sie tot." Auf den Kopf des 80-jährigen Seniorchefs ist eine Pistole gerichtet, als er diesen Satz hört. Zuvor wurde das Opfer gefesselt und brutal zusammengeschlagen. Mit einer Sporttasche voller Waffen und mehreren Tausend Euro machen sich die beiden mit schwarzen Ledermänteln bekleideten Täter schließlich auf und davon.
Den brutalen Überfall an einem Samstag im September 2009 wird der damals krankenhausreif geschlagene Seniorchef des Kordeler Waffengeschäfts wohl nie vergessen. Seit dieser Woche muss sich der mutmaßliche Drahtzieher des Verbrechens, ein 20-jähriger Luxemburger, vor der Kriminalkammer des Großherzogtums verantworten.
Der Kordeler Raub wird in Luxemburg verhandelt, weil dem Angeklagten und anderen jungen Männern noch ein weiterer Raubüberfall im luxemburgischen Lellig (liegt unweit des Moselorts Mertert) zur Last gelegt wird. Außerdem liefere das Großherzogtum keine luxemburgischen Staatsangehörigen aus, sagte der Leitende Trierer Oberstaatsanwalt Jürgen Brauer dem TV. Das Verfahren gegen den mutmaßlichen Haupttäter sei deshalb an die Luxemburger Behörden abgegeben worden.
Zwei Wochen nach dem Kordeler Überfall hatte die luxemburgische Polizei insgesamt vier junge Männer verhaftet. Nach Angaben des Luxemburger Worts trug der Hauptangeklagte bei seiner Festnahme eine schusssichere Weste und war mit Pistole und Messer bewaffnet. Im Keller seiner Wohnung fanden die Ermittler später ein ganzes Waffenarsenal sowie Fotos, auf denen die mutmaßlichen Räuber mit ihren Waffen posierten.
Der Vorsitzende Richter fühlte sich angesichts der Anklage und der Begleitumstände der Festnahme denn auch an Szenen aus einem amerikanischen Gangsterfilm erinnert. Der 20-jährige Hauptangeklagte hat die ihm zur Last gelegten Verbrechen weitgehend eingeräumt. Er habe dabei aber sehr kühl und emotionslos gewirkt, sagte ein Prozessbeobachter gestern Abend dem TV. Was kaum zu glauben ist: Der Überfall in Lellig gut zwei Wochen vor dem Kordeler Raubüberfall galt demnach seiner eigenen Mutter, die der Räuber gemeinsam mit anderen überwältigt, geschlagen und ausgeraubt haben soll.
Wie erst jetzt auf Anfrage unserer Zeitung bekannt wurde, gibt es im Zusammenhang mit dem Kordeler Raubüberfall bereits ein Urteil, das kurioserweise ein deutsches Gericht gefällt hat - das Amtsgericht Trier. Demnach wurde der Kompagnon des derzeit in Luxemburg auf der Anklagebank sitzenden mutmaßlichen Haupttäters Ende März zu einer anderthalbjährigen Bewährungsstrafe verurteilt.
Bei dem heute 18-Jährigen handelt es sich um einen Deutschen, der allerdings in Luxemburg wohnen soll. Nach Angaben des Leitenden Trierer Oberstaatsanwalts Jürgen Brauer der Grund, warum in diesem Fall die deutsche Justiz für eine Verurteilung zuständig war.
In dem derzeit vor der Luxemburger Kriminalkammer laufenden Prozess gegen den 20-Jährigen hat der Staatsanwalt gestern eine 20-jährige Gefängnisstrafe für den Angeklagten gefordert, die teilweise zur Bewährung ausgesetzt werden könne. Sein Urteil will das Gericht am Montag, 23. Mai, verkünden.