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Teure Stolperfallen im Internet

Per Mail und per Post: Betrüger locken mit unseriösen Gewinnmitteilungen und Krediten. Foto: Patrick Pleul
Per Mail und per Post: Betrüger locken mit unseriösen Gewinnmitteilungen und Krediten. Foto: Patrick Pleul
Trier/Mainz. Routenplaner, Partnersuche, Kochrezepte: All das gibt es im Netz oft umsonst. Manchmal kosten die Angebote aber Hunderte Euro. Was tun? Verbraucherschützer wissen Rat. Florian Schlecht

Anna G. heißt im wahren Leben ganz anders. Doch die Betrugsmasche, auf die die Rentnerin reingefallen ist, ist Verbraucherschützern im Land nur zu geläufig. Die Rheinland-Pfälzerin suchte im Internet nach einem Routenplaner, um den schnellsten Weg zu ihrem Urlaubsort zu finden. Wochen später trudelte eine Rechnung von mehr als 500 Euro bei ihr ein, die sie für eine zweijährige Mitgliedschaft bei dem Anbieter zahlen sollte. Das Problem: Anna G. konnte sich gar nicht daran erinnern, ein Abo bei dem Anbieter abgeschlossen zu haben. Die rheinland-pfälzische Verbraucherzentrale sagte ihr, dass sie die Summe nicht aufbringen müsse - Preise seien nicht eindeutig erkennbar gewesen, einnen eindeutigen Bezahlen-Button habe es nicht gegeben.

Fälle wie diese tauchen auch in Trier, der Eifel und dem Hunsrück auf, teilt die Verbraucherzentrale mit. Und es ist nicht die einzige Form der Internet-Abzocke, die die Verbraucherschützer in ihrem Jahresbericht 2016 beklagen, den sie am Dienstag in Mainz vorgestellt haben. Danach nehmen Betrugsmaschen im Netz immer mehr zu. Von 104.500 Beratungs- und Informationskontakten der Verbraucherzentrale im vergangenen Jahr drehten sich fast 8000 um die Telekommunikation, in Trier waren es von 8464 Beratungen mehr als 1600. "Manche Anbieter gehen immer perfider und raffinierter vor", sagt Vorstand Ulrike von der Lühe.

Gehäuft haben sich danach im Land auch Fälle eines Internet-Anbieters von Kochrezepten, der nur einen versteckten Hinweis darauf gegeben habe, dass sich sein Angebot nur an Firmen und Gewerbetreibende richte. Damit habe er die verbraucherschützende Informationspflicht umgehen können - und Nutzer sollten Hunderte Euro zahlen. Die Verbraucherschützer warnen ebenso vor plumpen Kreditversprechen im Netz und überteuerten Online-Partnerportalen, bei denen seriöse von windigen Anbietern schwer zu unterscheiden seien.

Ulrike von der Lühe geht von einer hohen Dunkelziffer geschädigter Verbraucher aus, da sich viele Menschen nicht bei der Verbraucherzentrale beschwerten, wenn sie plötzlich Rechnungen zahlen müssten. Der Grund: "Oft werden sie unter Druck gesetzt." Wie bei Anna G., die im Urlaub panisch ihre Tochter anrief, weil besagter Anbieter ihr gedroht habe, sie mit einem Inkasso-Kommando und Kleintransporter zu besuchen, sämtliche Wertgegenstände zu pfänden und die Tür aufzubrechen, wenn sie nicht zu Hause sei. Häufig berufen sich Firmen auf angebliche richterliche Beschlüsse, die es aber gar nicht gebe, moniert von der Lühe.

Sie rät, in solchen Fällen die Ruhe zu wahren, Rechnungen nicht zu zahlen, die Verbraucherzentrale zu informieren und schriftlich zu widersprechen. "Wenn ein kostenpflichtiges Angebot nicht eindeutig zu erkennen war, muss der Verbraucher nicht zahlen", sagt sie.

Als Antwort auf den digitalen Dschungel arbeiten die Verbraucherschützer bundesweit mit einem Marktwächter-Team zusammen, das Beschwerden annimmt, beobachtet und Untersuchungen durchführt. Die Verbraucherzentrale fordert von der Politik, die Marktwächter weiter auszubauen. Zumal die Themen nicht ausgehen: Die Verbraucherzentrale kündigt an, noch im Juli Anbieter von Online-Spielen abmahnen zu wollen.Kontakt zur Verbraucherzentrale

In der Region sitzt die Verbraucherzentrale in Trier und Prüm. Termine sind möglich unter Telefon 0651/48802 oder 06131/28480. Die Verbraucherzentrale im Land hat ein Jahresbudget von fünf Millionen Euro.

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