Tödliche Messerstiche im Hunsrückdorf

Tödliche Messerstiche im Hunsrückdorf

Es ist die zweite tödliche Bluttat in der Region in diesem Jahr. Im Januar ermordete in Kinderbeuern (Bernkastel-Wittlich) ein Mann seine Freundin. Am Donnerstag soll ein 28-jähriger seine Lebensgefährtin in Breit (Bernkastel-Wittlich) erstochen haben.

Breit/Trier. Im kleinen Hunsrückdorf Breit mit seinen knapp 300 Einwohnern hat sich die Nachricht von dem blutigen Verbrechen schnell herumgesprochen. "So etwas hat es hier noch nie gegeben. Das macht mich schon betroffen", sagt Alois Künzer. Er wohnt ganz in der Nähe des Hauses in der Waldstraße, in dem der beschuldigte 28-Jährige seine Lebensgefährtin erstochen haben soll. Das Gebäude steht mitten im Dorfkern, direkt gegenüber der Kapelle. Am Tatort sind auch am Freitagmittag die Rollläden an den Fenstern noch zugezogen. Vor dem Haus parkt ein Auto. An der Tür hängt Weihnachtsdekoration.
Alois Künzer erzählt, dass er am Donnerstagabend gerade vor dem Fernseher gesessen hat, als Notarzt, Krankenwagen und Polizei in der Nachbarschaft vorgefahren seien. "Ich bin aber nicht rausgegangen, um nachzuschauen. Man hat die Leute ja auch gar nicht gekannt", sagt Künzer.
So geht es fast allen Bewohnern von Breit, die der TV am Freitag auf der Straße trifft. "Persönlich hatte ich mit dem Pärchen noch nie etwas zu tun. Sie sind ja erst vor ein paar Wochen hierhin gezogen, und man weiß auch gar nicht, wo sie herkommen", sagt Vinzenz Kimmling.
Nur eine jüngere Frau, die ebenfalls in der Waldstraße wohnt, aber anonym bleiben möchte, hat das 23-jährige Opfer häufiger an der Bushaltestelle gesehen. Sie sagt: "Die Frau hatte zwei Kinder. Eines davon geht wie meine Tochter in den Kindergarten." Enger sei der Kontakt zu der getöteten Frau zwar nicht gewesen. "Aber es ist schon ganz schlimm, was passiert ist. Ich bin sehr geschockt", betont die Nachbarin.
Die Tat ruft Erinnerungen an andere blutige Vorfälle in der Region wach. Zu Jahresbeginn hatte ein Mord die Bewohner des Ortes Kinderbeuern schockiert. Ein 33-Jähriger hatte am 17. Januar seine sechs Jahre jüngere Freundin im Schlafzimmer der gemeinsamen Wohnung ermordet. Zunächst hatte er die 27-jährige Altenpflegerin aus dem sächsischen Görlitz mit ihrem Einverständnis ans Bett gefesselt, um angeblich Sex mit ihr zu haben. Dabei soll er der Frau, die eine Schlafmaske trug, mit beiden Händen den Hals zugedrückt haben, bis sie ohnmächtig wurde. Anschließend drosselte der aus dem Saarland stammende arbeitslose Koch sie mit einem Steckerkabel und drückte ihr danach noch den Dreifachstecker mit voller Kraft auf den Hals. Um sicherzugehen, dass die Frau tot war, stach er ihr mit einem im Schlafzimmer liegenden Steakmesser mit elf Zentimeter langer Klinge in den Hals. Im September ist der Mann wegen Mordes zu lebenslanger Haft verurteilt worden. Als Motiv für die Bluttat erkannte das Gericht Habgier. Das Arbeitslosengeld des Mannes habe nicht mehr ausgereicht, um seine Sucht nach cannabisähnlichen Kräutermischungen (Legal Highs) zu finanzieren.
Im Juni kam es in Daun zu einer Messerstecherei vor einer Kneipe. Ein 59-Jähriger soll zwei Männer, 20 und 25 Jahre alt, mit einem Messer lebensgefährlich verletzt zu haben, weil sie ihn daran hindern wollten zu verschwinden, ohne seinen "Deckel" zu bezahlen. Ohne Vorwarnung soll der mutmaßliche Täter zunächst dem 20-Jährigen das Messer in den Bauch gerammt haben, der daraufhin blutüberstömt zusammenbrach. Der Stich verfehlte wohl nur knapp lebenswichtige Organe. Nur durch eine Notoperation konnte der Mann gerettet werden.
Als ihm der 25-Jährige zur Hilfe eilte, soll er von dem 59-Jährigen ebenfalls attackiert worden sein. Mit voller Wucht soll er das Messer zwischen die Rippen des Mannes gestoßen und dabei knapp das Herz verfehlt haben. Auch der 25-Jährige musste notoperiert werden. Der mutmßaliche Täter wurde später gestellt und soll dabei von einem Mann misshandelt und schwer verletzt worden sein. Der 59-Jährige muss sich derzeit vor dem Trierer Landgericht wegen versuchten Mordes verantworten.

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