Tödlicher Asphalt

BERLIN/TRIER. Beliebt, aber lebensgefährlich: Landstraßen in Deutschland. Sie sind, so das Ergebnis einer empirischen Studie zweier Verkehrsforscher, gefährlicher als Autobahnen und geschlossene Ortschaften. Nirgendwo gib es mehr Verkehrstote in Deutschland als auf der Landstraße.

Eine Kreisstraße irgendwo im Hunsrück. Die Strecke führt eine Zeitlang geradeaus, dann macht die Straße eine scharfe Linkskurve. Im Scheitelpunkt der Kurve am Straßenrand ein kleines Holzkreuz. Darauf geschrieben ein Name und die Frage: "Warum?" Trauriges Dokument eines Ereignisses, das sich immer wieder - viel zu oft - auf den Verbindungen zwischen Städten und Dörfern wiederholt. Landstraßen, das haben Dieter Ellinghaus und Jürgen Steinbrecher im Rahmen der Uniroyal-Verkehrsuntersuchung herausgefunden, sind einerseits ein Tummelplatz für Freunde desAutofahrens, aber auch lebensgefährlich. Die Verkehrsteilnehmer verdrängten die tatsächlichen Gefahren auf den Überland-Verbindungen, in denen in der Regel "Tempo 100" gilt. Ältere Autofahrer haben meist Spaß an einer gemütlichen Überlandpartie, jüngere Cabrio- oder Sportwagenfahrer wollen auf kurvigen Asphaltwegen oft "die Kuh richtig fliegen" lassen. "Entspanntes Fahren", "Liebe zur Natur" oder "Wohlbefinden" - so schildern Autofahrer das Befahren einer Landstraße. Viele Befragten geben aber zu, dass schmale Straßen und verengte Fahrbahnen für sie Stress bedeuteten und sie sich zudem durch andere Verkehrsteilnehmer belästigt oder bedroht fühlten. Vor allem landwirtschaftliche Fahrzeuge oder Lastwagen würden zum Problem. 42 Prozent der Befragten gaben an, dass sie zwar das Hinterher-Fahren stresst, sie es aber auch gleichzeitig als unangenehm und gefährlich empfinden, zu überholen. In diesem Spannungsfeld, so die Experten, kommt es oft zu fatalen Fehlhandlungen, die häufig tödlich enden. Im Bereich des Polizeipräsidiums Trier liegt die Anzahl der auf Landstraßen getöteten Verkehrsteilnehmer über dem Bundesdurchschnitt von etwa zwei Dritteln. "Es sind fast 80 Prozent", sagt Präsidiums-Sprecher Reinhard Rothgerber. "Wir leben hier halt in einem weitgehend ländlich strukturierten Raum." Wie kann die Gefahr gemindert werden? Die Befragten wünschen sich bessere Straßenbeläge, zusätzliche Kriechspuren auf Steigungsstrecken und weitere Überholverbote. Ellinghaus und Steinbrecher plädieren für gezielt eingesetzte Tempolimits und bessere Überwachung. Sie sprechen sich zudem für ein einfacheres Linksabbiegen mit einer Ampelanlage und einer gesonderten Fahrspur aus. Bessere Randmarkierungen trügen zudem zur Entschärfungen von potenziellen Gefahrenherden bei.