Top mit Einschränkung

Die Region hat es erkannt: Familienfreundlichkeit ist ein Standortfaktor. Nicht umsonst schneiden die vier Landkreise und die Stadt Trier beim zweiten Familien-Atlas besser ab als vor zwei Jahren.

Trier. Ganz überraschend ist das Ergebnis des neuesten Familien-Atlasses nicht. Bereits vor zwei Jahren, beim ersten Familien-Atlas, bescheinigten die Experten des Baseler Forschungsinstituts Prognos der Region gute Perspektiven - vor allem den Landkreisen. Die wirtschaftliche Zukunftsfähigkeit werde immer mehr davon abhängen, ob Familien in einer Region ein gutes Zuhause finden, hieß es damals. Genau das hat gestern auch Bundesfamilienministerin Ursula von der Leyen (CDU) betont: Familienfreundlichkeit ist ein Standortfaktor. Familienfreundliche Regionen könnten sich im Wettbewerb um Fachkräfte behaupten und wirtschaftlich stark bleiben. Demzufolge dürfte der Region nicht bange sein vor der Zukunft. Dass Bernkastel-Wittlich zu den Top-Regionen für Familien zählt und mit "soliden wirtschaftlichen und demografischen Rahmenbedingungen" überzeugt, wie es in der 44-seitigen Studie heißt, kommt nicht von ungefähr. Seit zwei Jahren gibt es ein Leitbild zur Entwicklung des Landkreises zu mehr Familien- und Kinderfreundlichkeit. Dazu zählt laut Kreisverwaltungs-Sprecher Alfons Kuhnen unter anderem die Sicherung der Grundversorgung in den Dörfern und eines medizinischen und pflegerischen Versorgungsnetzes sowie die Weiterentwicklung des Kindertagesstätten- und Kinderbetreuungsangebotes. Auch in Sachen Bildung wurde kräftig investiert. Das Ganztagsangebot an Schulen wurde ausgebaut und mehr als eine Million Euro für den Ausbau der Multimedia-Austattung ausgegeben. Einer der Pluspunkte in Bernkastel-Wittlich für Familien: Grundstücke und Häuser sind erschwinglich. Damit zeigt sich wie bereits vor zwei Jahren, dass vor allem ländlich strukturierte Regionen noch immer bei Familien ganz hoch im Kurs stehen. Das belegt auch ein Blick auf die Gruppe der Top-Regionen: Nordfriesland, Schleswig-Flensburg, Main-Tauber-Kreis oder Breisgau-Hochschwarzwald. Das größte Manko allerdings auch in diesen Regionen: Es fehlt an Betreuungsmöglichkeiten. Noch immer ist es trotz aller Familienfreundlichkeit schwer, Job und Kinder unter einen Hut zu bringen. Ganz anders sieht es da - traditionsgemäß - im Osten aus. Noch aus der DDR-Vergangenheit heraus gibt es in den neuen Bundesländern ein fast 100-prozentiges Betreuungsangebot. Insofern dürfte von der Leyen den Familien-Atlas gestern gerne in die Kameras gehalten haben, unterstützt er doch ihre Politik einer besseren Vereinbarkeit von Familie und Beruf.