Tourismusbeauftragter will nicht weichen

Tourismusbeauftragter will nicht weichen

Seit 1980 ist Ernst Hinsken (66) für die CSU im Bundestag, in den letzten vier Jahren war er umtriebiger Beauftragter der Bundesregierung für Tourismus, angesiedelt beim Bundeswirtschaftsministerium. Doch genau diesen Job will Hinsken nun partout nicht aufgeben.

Berlin. Obwohl das Wirtschaftsressort inzwischen von der FDP geführt wird und die ihn als Beauftragten der Bundesregierung für Tourismus loswerden möchte, will der CSU-Politiker Ernst Hinsken den Posten nicht räumen. Auch die Union ist inzwischen mit ihrem Latein am Ende. Jetzt kann nur noch das Bundeskabinett helfen.

Eigentlich ist mit Amtsantritt eines neuen Ressortchefs für einen Beauftragten erst einmal Dienstschluss. Zumindest, so heißt es, gebiete das der politische Anstand, vor allem dann, wenn die Parteifarbe des Ministeriums wechsle. Nicht so Hinsken. Er tut einfach so, als ob die CSU das Wirtschaftsministerium noch führen würde - und nicht der FDP-Mann Rainer Brüderle. Der gelernte Bäcker und Konditor Hinsken schreibt weiter munter Pressemitteilungen. Parteifreunde erzählen genervt, Hinsken sage einfach nur stur: "Ich will das bleiben."

So sei er auch dem neuen Parlamentarischen Staatssekretär Ernst Burgbacher (FDP) Anfang November zum deutschen Tourismustag in Dresden nachgereist, um dort zum Ärger des Staatssekretärs eigene Pressemitteilungen zu verteilen. Burgbacher, so wird kolportiert, soll aber künftig den Tourismusbereich mit abdecken und ihn dadurch aufwerten. Wirtschaftsminister Brüderle wolle im Gegenzug das Amt des Beauftragten nicht mehr besetzen.

Dabei ist Ernst Hinsken in den Augen seiner Kollegen ein verdienter Abgeordneter: Er war es, der 1989 am Abend des 9. November im Bonner Wasserwerk die Nationalhymne mitanstimmte, als die Nachricht vom Mauerfall kam. Seine Eisenbahn-Schlusslaterne, die er 2002 dem damaligen Finanzminister Hans Eichel (SPD) auf die Regierungsbank stellte, schaffte es bis ins Museum. Seitens der CSU wurde deshalb versucht, Hinsken einen neuen Job zu besorgen. Nur: Hinsken lehnte pikiert ab.

Die Posse beenden soll nun das Bundeskabinett in seiner nächsten Sitzung kommende Woche. Es wird dem Vernehmen nach das Amt des Tourismusbeauftragten per Beschluss abschaffen, so dass Hinsken dann definitiv sein Büro im Wirtschaftsministerium räumen muss. Hinsken selber wollte sich nicht äußern.

Mehr von Volksfreund