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Trend geht weg von Münzen und Scheinen

Euromünzen dürften auf absehbare Zeit ein alltägliches Zahlungsmittel bleiben. Das bargeldlose Zahlen ist gleichwohl massiv auf dem Vormarsch. Foto: dpa
Euromünzen dürften auf absehbare Zeit ein alltägliches Zahlungsmittel bleiben. Das bargeldlose Zahlen ist gleichwohl massiv auf dem Vormarsch. Foto: dpa FOTO: ARRAY(0x2051f1148)
Trier. Sparkassen und Banken arbeiten an der Weiterentwicklung von mobilen Bezahlsystemen. Verbraucher nutzen mittlerweile auch in Deutschland immer öfter die Karte auch für kleinere Beträge. Bernd Wientjes

Trier Bargeld ist nicht mehr beliebt. Nicht nur, dass viele Banken fürs Abheben oder Einzahlen von Münzen und Scheinen Gebühren verlangen. Immer öfter verweigern auch Behörden oder öffentliche Einrichtungen Barzahlungen. Zum Beispiel die Gebühreneinzugszentrale (GEZ) der öffentlich-rechtlichen Rundfunksender. Mehrere Gerichte haben die Klagen von Gebührenzahlern abgewiesen, die ihre Rundfunkgebühr bar zahlen wollten. Die Richter entschieden: Bei der GEZ ist nur eine bargeldlose Zahlung möglich. Und in vielen Geschäften, Restaurants oder Tankstellen ist das Zahlen mit Münzen eingeschränkt worden.
Der Bankenverband weist ausdrücklich darauf hin, dass niemand verpflichtet sei, "bei einer Zahlung mehr als 50 Münzen anzunehmen". Auch dürfen Händler oder Gastronomen die Annahme von Scheinen begrenzen. Wer etwa einen Kaffee, der zwei Euro kostet, mit einem Hundert-Euro-Schein bezahlen will, der muss damit rechnen, dass der Kellner sich weigert, den Schein anzunehmen. Ohnehin geht mittlerweile der Trend auch in Deutschland zum bargeldlosen Bezahlen. Das gilt auch für kleinere Beträge.
Gut drei Viertel aller Bankkunden, die eine Girocard (so heißt mittlerweile die EC-Karte offiziell) oder eine Kreditkarte besäßen, nutzten diese zum Bezahlen, sagt Steffen Steudel vom Bundesverband der Deutschen Volksbanken und Raiffeisenbanken. Die Durchschnittsumsätze seien von 58 Euro im Jahr 2007 auf 51 Euro in 2016 gesunken. "Das heißt, Kunden nutzen die Karte auch für kleinere Beträge", sagt Steudel.
Als Beispiel nennt er das Zahlen bei Lebensmitteldiscountern. Dort betrage der durchschnittliche Wert für eine Kartenzahlung 20 Euro. Steudel: "Zahlen mit Karte gehört für die meisten Deutschen zum Alltag."
Und um das bargeldlose Zahlen noch einfacher zu gestalten, arbeiten Banken und Sparkassen an der Weiterentwicklung von Systemen, die es überflüssig machen, beim Bezahlen die Geheimnummer einzugeben - oder zu unterschreiben. So seien bereits 70 Prozent der 8000 von den rheinland-pfälzischen Sparkassen betreuten Kartenterminals in Geschäften oder öffentlichen Verwaltungen für das sogenannte kontaktlose Zahlen vorbereitet, sagt Christiane Becker, Sprecherin des rheinland-pfälzischen Sparkassenverbands.
Statt die Karte in das Lesegerät einzuschieben, wird sie nur davor gehalten und die entsprechenden Daten werden abgerufen - und der Betrag dann automatisch vom Konto abgebucht. Zudem wollen die Sparkassen alle von ihnen ausgegebene Kreditkarten mit einer Funktechnologie ausstatten. Becker: "Das ist die Grundlage, um die Karte auf das Smartphone zu bringen." Damit könnten die Kunden dann auch mit dem Smartphone kontaktlos bezahlen.
In diesem Jahr soll das Verfahren bei Einzelhändlern wie Rewe oder Penny schrittweise eingeführt werden, sagt Becker.
Mittlerweile ist es auch möglich, direkt vom Handy Geld zu überweisen. Banken und Sparkassen bieten entsprechende Apps an. Auch für das Überweisen von kleineren Beträgen von Handy zu Handy. Beide Teilnehmer benötigen dafür ein Online-Konto. Dann genügt es, die Handy-Nummer des Zahlungs-Empfängers und den Betrag (maximal 100 Euro) einzugeben. Die Summe soll dann umgehend auf das entsprechende Konto überwiesen sein. Zwei Monate nach dem Start der App hätten sich bundesweit schon 260 000 Sparkassenkunden dafür registriert, sagt Verbandssprecherin Becker. Auch die Volksbanken testen entsprechende Angebote.
Um "im schnelllebigen und vielseitigen Wettbewerb" zu bestehen, müsse das digitale und mobile Angebot stetig erweitert und verbessert werden, sagt Steffen Steudel vom Volksbanken-Verband. 62 Prozent der Volksbankkunden nutzten mittlerweile Online-Banking. Und das funktioniert längst nicht mehr nur am Computer. Über entsprechende Apps lassen sich die kompletten Bankgeschäfte übers Smartphone abwickeln.
Trotz all dieser Entwicklungen, wird es wohl noch länger Bargeld geben. Laut einer Erhebung der Gesellschaft für Konsumforschung bevorzugt fast die Hälfte der Deutschen Bargeldzahlungen. Anders als in Schweden, wo selbst in öffentlichen Toiletten oder der Kauf der Obdachlosenzeitung mit Karte bezahlt wird.
In Deutschland ist gesetzlich geregelt, dass Bargeld das einzige unbeschränkte Zahlungsmittel ist. Allerdings setzt mittlerweile die Europäische Zentralbank den rechtlichen Rahmen und bestimmt die Menge des sich im Umlauf befindlichen Bargelds. Sie kann die Ausgabe des Bargelds einschränken. Was sie mit der Abschaffung des 500-Euro-Scheins bereits getan hatVOLKSFREUND-SERIE SCHöNE NEUE WELT?!


Extra

In unserer Serie "Schöne neue Welt?!" beschäftigen wir uns damit, wie die Digitalisierung alle Bereiche des Lebens verändert. Bisher ging es unter anderem um den Ausbau des schnellen Internets, die verschiedenen Technologien sowie die Digitalisierung der öffentlichen Verwaltung. Demnächst werden wir die Themen Digitalisierung in der Gesundheit und in der Schule beleuchten.