Trier ist kein Schnäppchen

Die Sozialstudie des Deutschen Studentenwerks erfasst nicht nur das Wohnverhalten, sondern auch die Kosten des Studiums vor Ort und die Konsequenzen für Studenten. Dabei gibt es bundesweit deutliche Unterschiede.

Trier. Eines wird dabei deutlich: Der mit Abstand größte Ausgabenposten im studentischen Haushaltsbuch ist die Miete. 38 Prozent des statistischen Durchschnittsbudgets von 762 Euro sind weg, wenn die Überweisung an den Vermieter abgebucht ist. Ordentlich zu Buche schlägt außerdem noch die Ernährung (21 Prozent, siehe Grafik).

Da werden die Kosten des Wohnens schnell zu einem K.o.-Kriterium bei der Wahl des Studienortes. Muss der Durchschnittsstudent in München oder Hamburg fast 350 Euro für seine Bude investieren, wohnt er - bei vergleichbarer Qualität - in schönen Städten wie Dresden oder Leipzig mit rund 230 Euro deutlich billiger.

Trier ist da längst kein Schnäppchen mehr: Rund 280 Euro müssen an der Mosel fürs Wohnen samt Nebenkosten einkalkuliert werden - das liegt auf der Höhe von Karlsruhe, Mannheim, Kiel oder Dortmund.

Da überrascht es nicht, dass Trier bei der "Erwerbstätigenquote" einen vorderen Rang belegt. 71 Prozent aller Studierenden jobben dort nebenher, um den Lebensunterhalt zu finanzieren. Spitzenreiter bei den Nebenjobs ist Wuppertal, wo 84 Prozent der Studis arbeiten. Am Ende der Skala stehen traditionelle Studienstädte wie Marburg, Göttingen oder Konstanz, aber auch Ost-Unis wie Halle Leipzig und Jena, wo gerade mal jeder zweite neben dem Studium einen Brotberuf ausübt.

Freilich gibt es auch einen Zusammenhang zwischen Jobintensität und Studienleistung. Faustregel: Je weniger gearbeitet wird, um so mehr wird studiert. So sind etwa Studenten in Göttingen und Düsseldorf gleichermaßen 47 Stunden in der Woche fleißig. Aber in Düsseldorf werden sieben Stunden mehr gejobbt, in Göttingen sieben Stunden mehr studiert. Das dürfte sich nicht unerheblich auf den Studienerfolg auswirken.

Ein Ruhmesblatt können die Trierer Studenten bei dieser Statistik nicht ergattern: Laut Studentenwerksstudie kommen sie im gemütlichen Trierer Klima auf 32 Studien- und 8 Job-Stunden. Macht in der Woche 40 Arbeitsstunden - und damit den fleißmäßig letzte Platz.

Andreas Girten (22), Prüm, Uni-Student: "Seit ich ausgezogen bin und die Selbstständigkeit kennengelernt habe, kann ich mir nicht mehr vorstellen zuhause zu wohnen." Lena Berrang (19), Trier, Uni-Studentin: "Ich kann mir nicht vorstellen, bei meinen Eltern zu wohnen, weil sie im Saarland wohnen und die Entfernung daher zu groß wäre. Ich wohne jetzt in Trier und bin sehr zufrieden." Thomas Müller (25), Aach, FH-Student: "Ich wohne noch bei meinen Eltern. Ein Aspekt ist mit Sicherheit das Finanzielle, aber auch die geringe Entfernung nach Trier spielt eine Rolle." Katharina Büssgen (21), Trier: "Ich wohne in einer Wohngemeinschaft. Hätte ich in der Nähe meines Elternhauses studieren können, hätte ich mir aus finanziellen Gründen vorstellen können, bei meinen Eltern wohnen zu bleiben." TV-Fotos (4): Simon Neumann