Trier und die "rote Laterne"

Trier ist auf dem Abstellgleis: Das Fernverkehrsangebot ist so schlecht wie in keiner anderen deutschen Stadt. Und ab nächster Woche wird es noch schlechter. Dann werden insgesamt vier Fernverbindungen gestrichen.

Trier. 20 Jahre ist es her. Damals, 1991, konnte man mit dem Zug von Trier über Koblenz, Münster und Bremen durchgehend bis nach Cuxhaven oder auch nach Greifswald fahren. Selbst bis nach Stuttgart konnte man mit den Interregio-Zügen von Trier aus fahren - ohne umzusteigen. Es war das erste Mal, dass die Moselstadt ein halbwegs passables Fernzugangebot hatte. Vor dieser Zeit, von 1973 bis 1978, fuhr gerade mal dreimal am Tag ein sogenannter City-D-Zug von Saarbrücken über Trier bis nach Düsseldorf, später wurden daraus IC-Züge, die durchgehend bis Dortmund fuhren.
Lücken nie gestopft


Die Interregio-Züge wurden 2002 von der Schiene genommen, weil sie laut Bahn auf vielen Strecken unrentabel waren. Auch die 2002 gestartete IC-Verbindung von Luxemburg über Trier nach Frankfurt wurde nur zwei Jahre später wegen mangelnder Nachfrage gestrichen. Die durch den Wegfall dieser Verbindungen entstandenen Lücken sind bis heute nicht gestopft worden. Im Gegenteil. Ab Ende nächster Woche werden sie mit dem neuen Fahrplanwechsel noch größer.
Selbst der Hauch von großstädtischem Fernverkehr, der morgendliche Intercity-Express von Trier nach Berlin, wird gestrichen. Genauso wie drei der insgesamt sechs Intercity-Verbindungen von Luxemburg über Trier und Koblenz Richtung Ruhrgebiet. Und das, obwohl Ex-Bahnchef Hartmut Mehdorn bei seinem Besuch in Trier Anfang 2009 versichert hat, am bestehenden Fernverkehrsangebot von und nach Trier werde sich nichts ändern. Bereits damals gab es Gerüchte, dass es spätestens 2015 weniger IC-Züge in der Moselstadt geben dürfte.
Der Trierer CDU-Bundestagsabgeordnete Bernhard Kaster, der Mehdorn damals nach Trier eingeladen hatte, vertraute den Versprechungen der Bahn. Selbst als sich in diesem Frühjahr die Hinweise verdichteten, dass es bereits in diesem Jahr zu einer Reduzierung der Fernzüge von und nach Trier kommen könnte, glaubte er nicht daran. Bis zuletzt verhandelte er mit dem jetzigen Bahnchef Jürgen Grube, zu dem er einen "guten Draht" zu haben glaubte. Doch Kaster, der sich immer für eine bessere Bahnanbindung in der Region starkgemacht hat, konnte nichts erreichen. Man habe ihn belogen, sagt der vom Bahnfreund zum Bahnkritiker gewordene CDU-Politiker. Grube sei beratungsresistent, meint Kaster. Das 90-minütige Gespräch mit dem Bahnchef vor ein paar Wochen sei "sehr frustrierend" gewesen.
Studie als Beleg


Daher ist die Studie von Dresdner Verkehrswissenschaftlern Wasser auf die Mühlen des Bundestagsabgeordneten. Sie belegt, dass Trier bereits jetzt, vor der Reduzierung des Fernverkehrsangebotes, die am schlechtesten mit dem Zug erreichbare Großstadt Deutschlands ist. "Jetzt haben wir es schwarz auf weiß: Bei der Bahn hat Trier die rote Laterne", kommentiert Kaster die Ergebnisse der Untersuchung. Selbst die auf Kasters Initiative hin eingeführte ICE-Verbindung nach Berlin konnte die Platzierung Triers in der Studie nicht verbessern. Die Wissenschaftler der Technischen Universität Dresden nahmen dabei unter die Lupe, wie oft am Tag Fernzüge die 80 Städte anfahren.
Seit 1999 hat die Bahn nach und nach ihr ICE- und IC-Angebot in den betreffenden 80 Städten um mehr als 30 Prozent reduziert. In den nächsten Jahren werden wohl noch weitere Verbindungen gestrichen werden. Das Bundesverkehrsministerium hat daher laut Wirtschaftswoche eine Machbarkeitsstudie in Auftrag gegeben. Ziel soll sein, den Nah- und Fernverkehr besser zu verzahnen und die An- und Abfahrtszeiten aufeinander abzustimmen.
Eine weitere Reduzierung des Fernverkehrs mache auch den Nahverkehr als Zubringer immer unattraktiver, heißt es.