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Trierer Ärztechef: In vielen Kliniken wird unnötig operiert

Trierer Ärztechef: In vielen Kliniken wird unnötig operiert

Immer öfter kommen Patienten unters Messer, obwohl eine Operation gar nicht notwendig wäre. Die Krankenkassen schlagen Alarm. Experten sagen, mehr als die Hälfte der Operationen von Knie oder Schulter sei überflüssig.

Wer sich erst einmal zu einer Operation (OP) entschlossen hat, der geht auch davon aus, dass es dazu keine Alternativen gibt. Das es unbedingt notwendig ist, sich unters Messer zu legen. Doch Zahlen der Krankenkassen lassen aufhorchen. Zwei von drei Operationen sind laut AOK unbegründet. 87 Prozent der Rücken-OP sind unnötig, heißt es auch bei der Techniker Krankenkasse (TK). Von 2009 bis 2012 hat sich laut TK-Sprecher Holger Dieter die Zahl der Operationen in rheinland-pfälzischen Kliniken von 78 000 auf 98 000 erhöht - eine Steigerung um ein Viertel.

Günther Matheis, Vorsitzender der Trierer Bezirksärztekammer und Arzt im Trierer Brüderkrankenhaus, bestätigt die Entwicklung: "Nicht das medizinisch Notwendige, oftmals wirtschaftlich Unattraktive, sondern das, was lukrativ erscheint, steht im Mittelpunkt vieler Kliniken." Eine OP bringe den Krankenhäusern oft mehr Geld als eine womöglich langwierige konservative Behandlung, sagt der Chirurg Jan-Christoph Loh. Er betreibt das Internetportal www.vorsicht-operation.de , wo sich Patienten vor einer geplanten orthopädischen OP eine Zweitmeinung einholen können.

In 46 Prozent der Fälle bringe die empfohlene Operation von Schulter oder Kniegelenk nichts, 17 Prozent der Patienten werde von den Experten des Portals - alles ausgebildete Ärzte - eine andere, effektivere OP empfohlen.
Auch im Trierer Mutterhaus gab es 2010 eine Steigerung der Operationen. Von den 24 065 dort behandelten Patienten landeten 41 Prozent unterm Messer. Die Steigerung vor drei Jahren habe mit der Inbetriebnahme des neuen Operationsbereiches zu tun, sagt eine Klinik-Sprecherin. Seit dieser Zeit bewege sich der Anteil der operierten Patienten auf gleichem Niveau, teilte das Krankenhaus mit. Voraussetzung für eine OP seien entsprechende Krankheitsbilder.