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Trierer Professor sagt Parteien weiteren Mitgliederschwund voraus

Wahlplakate bei der letzten Landtagswahl.
Wahlplakate bei der letzten Landtagswahl. FOTO: Klaus Kimmling
Trier. Den rheinland-pfälzischen Parteien laufen die Mitglieder davon. Nur die Grünen legen zu – und das sogar kräftig. „Auch das geht vorbei“, sagt der Trierer Politikprofessor Uwe Jun. Seine Prognose: Der Mitgliederschwund ist nicht mehr zu stoppen.

So richtig verwundern können die Zahlen eigentlich niemanden: Parallel zum Top-Ergebnis bei der Landtagswahl (15,4 Prozent) haben die rheinland-pfälzischen Grünen auch bei ihrem Mitgliederbestand kräftig zugelegt - um satte 20 Prozent in den vergangenen anderthalb Jahren. Im gleichen Zeitraum beklagten die anderen etablierten Parteien im Land teils kräftige Mitgliedereinbußen, wie eine Umfrage unserer Zeitung ergab.

Besonders groß war der Aderlass demnach bei den Linken (minus 14 Prozent) und Liberalen (- acht Prozent), während SPD (- 0,6 %) und CDU (- 4,5 %) noch mit einem blauen Auge davonkamen.

Die Christdemokraten sind mit 47.000 Mitgliedern immer noch die mitgliederstärkste Partei in Rheinland-Pfalz, gefolgt von SPD (42.000), FDP (5007), Grünen (2809) und Linken (1700). Deren Sprecher Fabian Bauer erklärt den hohen Mitgliederschwund mit dem "Aussortieren von Karteileichen". Das mag im Fall der Linken teilweise stimmen. Doch der Trierer Politikprofessor Uwe Jun hat noch eine andere Erklärung, die für alle Parteien gelte: "Die jungen Leute wollen sich nicht mehr binden. Und die Parteipolitik hat kein gutes Image", sagt Jun unserer Zeitung.

Juns Prognose macht den Strategen in den Mainzer Parteizentralen wenig Hoffnung: Der Trend werde anhalten, "das Comeback der Mitgliederpartei ist unwahrscheinlich", prophezeit der Trierer Forscher. Schuld daran seien auch die Parteien selbst: "Sie werden von Parteiführungen dominiert, die den Mitgliedern kaum Rechte einräumen."

Auch die Grünen müssen sich nach Einschätzung Juns darauf einrichten, dass ihnen die Mitglieder schon bald wieder davonlaufen werden: "Im Moment treffen die Grünen den Nerv und die Themen der Zeit. Aber dieses Image wird auch schon bald wieder verfliegen."
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