Trierer Uni sucht neuen Chef

Wer wird Nachfolger von Universitätspräsident Peter Schwenkmezger? In der Senatssitzung am 17. Februar entscheiden die 22 stimmberechtigten Mitglieder über die wichtigste Personalie der nächsten Jahre. Die Alternativen könnten kaum klarer sein.

Trier. (DiL) Allzu oft kommt es nicht vor, dass man sich einen neuen Namen an der Spitze der Trier er Uni merken muss. Ganze vier Präsidenten hat es in den 35 Jahren ihrer selbstständigen Existenz gegeben. Alle kamen aus den eigenen universitären Reihen, alle waren ordentliche Professoren, alle hatten bereits als Vizepräsidenten der Uni-Leitung angehört. Ginge es nach der Tradition, wäre die Wahl bereits entschieden. Denn es gibt einen Kandidaten, der exakt den bisherigen Kriterien entspricht. Professor Michael Jäckel, Soziologe, seit 1996 in Trier, langjähriger Vizepräsident mit reichlich Erfahrung, vor allem im heiklen Sektor Haushalt.

Auf den einzigen verbliebenen Gegenkandidaten wiederum trifft kein einziges der bisherigen Auswahlkriterien zu. Roland Heinz ist Leiter der Philips Lighting Academy, einer privaten Fortbildungseinrichtung des Philips-Konzerns, als Physikochemiker ein ausgewiesener Naturwissenschaftler mit Habilitation, aber ohne Professur und Erfahrungen im universitären Apparat.

Kein Wunder, dass der mit dem Bildungsministerium abgestimmte Zweier-Vorschlag des Hochschulrates, über den im Senat abgestimmt werden muss, hinter den Kulissen von manchem als klare Vorentscheidung für Jäckel eingestuft wird. Der 51-Jährige hat nicht nur in seinem Vize-Amt viele Sympathien an der Uni gesammelt, er gilt auch außerhalb des Campus als aufgeschlossener, kommunikativer Pragmatiker, für den wissenschaftliches Renommee und ein unverkrampfter Umgang mit der Öffentlichkeit kein Widerspruch sind.

Freilich hat sich das Amt des Präsidenten so gewandelt, dass auch ein Kandidat von außerhalb des Hochschulsektors nicht mehr undenkbar erscheint. An die Stelle des höchsten akademischen Repräsentanten ist der Manager getreten, der Finanzmittel einwirbt, Professoren-Besoldungen aushandelt, Studiengänge mitgestaltet. Seit einer Neuregelung im letzten Jahr ist der Einfluss auf Berufungsverfahren sogar noch gestiegen. "Im Grunde stellt man die Weichen für die nächsten 25 Jahre", sagt der amtierende Präsident Peter Schwenkmezger, der am 31. August in Rente geht.

Dass bei der Präsidentenwahl unkonventionelle Alternativen präsentiert werden, hat in Trier Tradition. In den 80er Jahren musste der spätere Präsident Jörg Hasler gegen einen Vertreter der wissenschaftlichen Mitarbeiter antreten, bei Schwenkmezgers erster Wahl gab es - auch das eine Premiere - eine weibliche Gegenkandidatur. Eine Chance hatten die Herausforderer aber nicht.

Die Kandidaten stellen sich und ihre Konzepte hochschulöffentlich im Senat vor, danach wird abgestimmt. Dabei spielen die Professoren mit 13 von 22 Stimmen die gewichtigste Rolle. Die Studenten sind mit vier Senatoren vertreten. Einer von ihnen ist der erfahrene Asta-Sprecher Vincenzo Sarnelli, der schon vor Monaten gegenüber dem TV den "ordentlichen und kommunikativen Umgang" Jäckels mit der Studentenvertretung gelobt hat. Die KandidatenProfessor Dr. Michael Jäckel, geboren 1959, studierte in Mainz Soziologie, Geschichte und Politikwissenschaft. 1996 wurde er Professor für Konsum- und Kommunikationsforschung am Fachbereich IV. Zahlreiche Lehrbücher und Fachartikel im Bereich der Konsum- und Mediensoziologie folgten. Gefragter Gesprächspartner auch bei nicht-wissenschaftlichen Medien. Dr. Roland Heinz ist seit 1999 Leiter der Philips Lighting Academy, einer Trainings-Organisation des Philips-Konzerns, die europaweit Aus- und Weiterbildungsangebote im Bereich Beleuchtungstechnik organisiert. Seit 2001 ist der Diplom-Chemiker Lehrbeauftragter am Institut für Chemische Technologie von Materialien der Technischen Universität Graz, wo er sich auch habilitierte. (DiL)