Trierer Wissenschaftler: Wut auf Politik und Banken wächst weiter

Trierer Wissenschaftler: Wut auf Politik und Banken wächst weiter

Deutschland steht vor einer neuen großen Protestwelle. Das glauben zwei Trierer Wissenschaftler. Sie warnen: Die Geschäftspraktiken mancher Banken und die Ohnmacht der Politik führen zu einer zunehmenden Wut der Bevölkerung.

Seit Tagen zelten Demonstranten vor der Europäischen Zentralbank in Frankfurt, kampieren Kritiker der Bankenrettung in Hamburg, weltweit regt sich Protest gegen die Macht der Finanzmärkte. Die von den USA ausgehende sogenannte Occupy-(Besetzt!)-Bewegung mobilisiert immer mehr Bürger.

Die Protestaktion müsse "sehr, sehr ernst genommen werden", sagt der Trierer Wirtschaftssoziologe Oliver Nachtwey. Sie sei erst der Anfang einer sich ausbreitenden Protestbewegung, die sich nicht nur gegen die Finanzwelt richte, sondern Ausdruck der Unzufriedenheit der Bürger mit der Demokratie sei.

Diese gingen auf die Straße, weil sie mehr Einfluss auf die Politik haben wollten: "Banken werden gerettet, aber im Sozialbereich wird gekürzt. Daher ist die Bewegung ein sehr ernster Ausdruck der Probleme der Demokratie", sagt Nachtwey. Er unterstützt den Vorschlag von SPD-Chef Sigmar Gabriel, das riskante Investmentbanking vom normalen Geschäft zu trennen. Da der Protest nicht nur "von den üblichen Verdächtigen" getragen werde, sondern auch ganz normale Bürger ihre Wut auf die Politik ausdrückten, werde sich die Bewegung weiter ausbreiten.

Auch in Trier soll es am Samstag vor der Porta Nigra eine Demonstration geben. In Luxemburg ist es bereits am Wochenende zu ersten Protesten sogenannter Empörter gegen die Macht der Banken gekommen.

Der Trierer Finanzwissenschaftler Hellmuth Milde sieht in der weltweiten Bewegung einen Ausdruck dafür, dass "aus Sicht der Bevölkerung das Maß voll ist". Viele Banken zögen ihre Kunden "über den Tisch", das Geschäftsmodell einiger Banker beruhe auf "verlogenen Voraussetzungen". Für den als Gastprofessor an der Luxemburger Uni lehrenden Betriebswirtschaftler sind Banken "Räuberbanden", wie er in einem Gastbeitrag für den TV schreibt.