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Triviales, Tiefschläge und Peinlichkeiten

Triviales, Tiefschläge und Peinlichkeiten

Darf ein konservativer Politiker, der zum dritten Mal verheiratet ist und während seiner zweiten Ehezeit eine Geliebte hatte, Präsident der USA werden? Es sind Fragen wie diese, um die es sich drei Wochen vor Beginn der Vorwahlen der Republikaner im US-Bundesstaat Iowa die Debatte dreht.

Washington. Auch am Samstagabend stellten sich die mutmaßlichen Obama-Gegner wieder den Fernsehkameras, und wieder gab es das, was bisher den Wettbewerb dominierte: Triviales, Peinlichkeiten und Schläge unter die Gürtellinie. Besonders viel einstecken musste dabei Newt Gingrich, der derzeit in den Umfragen das Bewerberfeld mit deutlichem Vorsprung anführt. Auf ihn, den 67-jährigen weißhaarigen früheren Sprecher des Repräsentantenhauses, - und in etwas abgeschwächter Form den zweitplatzierten Mitt Romney - schießen sich die anderen ein, allen voran der Texaner Rick Perry. Er hat einen Quotenabsturz erlebt und gilt bereits als chancenlos, doch versucht er dies mit kleinen und großen Bösartigkeiten zu kompensieren. "Wer seine Frau betrügt, der wird auch seine Geschäftspartner betrügen", konstatiert Perry. Und jeder im Saal weiß, wer gemeint ist. Doch Gingrich ist an diesem Abend kaum erfolgreich in die Enge zu treiben - und nimmt Perry schnell den Wind aus den Segeln: Er habe, da er ja nur ein Mensch sei, wie andere auch Fehler gemacht und Gott um Vergebung gebeten.
Kaum vergeben dürften Gingrich allerdings die Palästinenser, die vor einigen Tagen ebenfalls in den US-Wahlkampf gezogen wurden. Denn die Thesen des republikanischen Urgesteins sind schon von besonderer Provokationsstärke: Die Palästinenser seien "ein erfundenes Volk" - also Araber ohne besonderen Abstammungshintergrund, die sich auch in anderen Staaten in Nahost hätten ansiedeln können. Mitt Romney bezeichnet die These als "einen Fehler". Doch Ging-richs Rache kommt auf dem Fuße, als es um die Frage geht, ob der Geschäftsmann Romney tatsächlich damit renommieren sollte, anders als Gingrich kein Karrierepolitiker Made in Washington zu sein. "Sie sind doch nur deshalb nicht früher in die Politik gegangen, weil Sie 1994 gegen Ted Kennedy verloren haben", ätzt Gingrich mit Blick auf eine Abstimmungsniederlage Romneys über einen Senatssitz.
Als weiteren Höhepunkt der Debatte sehen Politikanalysten auch den Moment, als Romney seinem Kontrahenten Rick Perry eine 10 000-Dollar-Wette zum Thema Gesundheitsreform anbietet, - und auf Twitter sofort die Empörung explodiert: Dies sei doch das Dreifache, was ein Durchschnittsamerikaner verdiene.