Trugschluss

Das Lottofieber hat offenbar auch einige Politiker angesteckt. Wie sonst lässt sich der irrwitzige Plan erklären, nur noch staatlich zugelassenes Lotto und Sportwetten zu erlauben? Immerhin kassieren die Länder kräftig an den Einnahmen der Lotteriegesellschaften mit.

Ein Rekord-Jackpot wie am vergangenen Wochenende lässt auch in den Finanzministerien ordentlich die Kasse klingeln. Doch Konkurrenz schadet dem Geschäft, also hält man sie sich mit einem Staatsvertrag vom Hals, um noch mehr zu verdienen. Offenbar glauben einige Politiker allen Ernstes, mit einer derartigen Regulierung dem eindeutigen Urteil des Bundesverfassungsgerichts gerecht zu werden. Ein Trugschluss. Denn die Karlsruher Richter stärkten keineswegs das staatliche Wettmonopol, im Gegenteil, sie gaben der öffentlichen Hand eine Mitschuld an der zunehmenden Spielsucht. Die einzige Konsequenz, die man bislang daraus gezogen hat: Private Wettanbieter werden verboten, und die Werbung für Lotto und die Sportwette Oddset wurde eingestellt. Dass man sich damit langfristig selbst das Wasser abgräbt, scheint man in den Ländern nicht zu begreifen. Denn ohne Werbung wird auch das Lotto sterben. Auch das ein solcher Staatsvertrag das Aus für legale Fernsehlotterien und damit Millionen-Verluste für soziale Zwecke zur Folge hätte, scheint den Politikern egal zu sein. Wie realitätsfern die Pläne sind, zeigt sich auch in der vollkommen unrealistischen Annahme, man könne im Ausland sitzenden Internet-Wettbüros verbieten, in Deutschland ihre Glücksspiele anzubieten. Die Hilflosigkeit der Politiker wird letztlich nur dazu führen, dass das staatliche Wettmonopol nicht mehr zu halten sein wird. b.wientjes@volksfreund.de