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Über der Airbase Spangdahlem lastet der Fluch des Ungewissen

Mainz. Die Airbase Spangdahlem in der Eifel hat gute Chancen, sich im weltweiten Ringen der amerikanischen Truppenstandorte zu behaupten. Diese Einschätzung hat Innenminister Roger Lewentz nach einer USA-Reise gewonnen. Aber: "Eine dauerhafte Garantie kann uns derzeit keiner geben." Frank Giarra

Mainz. Raus aus dem Flieger, rein in die Pressekonferenz: Trotz eines von Turbulenzen geprägten Überseeflugs über Nacht wirkt Innenminister Roger Lewentz gut gelaunt, als er gestern in Mainz über seine Washington-Reise berichtet. Lewentz hat dort in 20 Gesprächen mit hochrangigen Militärs und Kongressabgeordneten die Stationierung der 60 000 US-Soldaten, Zivilisten und Familienmitglieder in Rheinland-Pfalz thematisiert.
Fazit des Ministers: "Man hat uns versichert, dass alle Standorte hier von hoher strategischer Bedeutung sind." Die Airbase Spangdahlem sei zum Beispiel "auf einem so hervorragenden technischen Level wie kaum ein anderer Militärflughafen der Air Force", sagt Lewentz. Dort sei sehr viel Geld investiert worden. Die Vorzüge des Truppenübungsplatzes in Baumholder, der sehr gute Übungsmöglichkeiten biete, seien den Amerikanern ebenfalls bewusst, sagt der Minister. Genau wie die Größe und die ausgezeichneten Kommandostrukturen der Airbase in Ramstein bei Kaiserslautern. Lewentz fasst zusammen, Rheinland-Pfalz werde "als Stationierungsland sehr geschätzt" und verfüge über eine gute logistische Lage.
Allerdings schwebt weltweit über allen amerikanischen Truppenstandorten der Fluch des Ungewissen. Grund sind Etat- und Truppenreduzierungen. Die Army muss bis 2018 acht Milliarden US-Dollar sparen, die Air Force zehn Milliarden. Die Armee soll bis nächstes Jahr um 70 000 Soldaten reduziert werden und die Luftwaffe um 25 000.
Die Gretchenfrage lautet: wo? Bei seinen Gesprächen im Pentagon, im Kongress und im Weißen Haus hat Lewentz nicht mehr die Fokussierung vergangener Jahre auf Asien vernommen. Vielmehr gelte das Augenmerk Syrien, Ägypten oder Libyen - und damit auch Europa. "Die Generäle rechnen, vergleichen die Standorte und erarbeiten Vorschläge", sagt der Minister. Er habe allerdings "keinen einzigen Hinweis auf konkrete Abzugspläne" erhalten.
Macht es Sinn, wenn Politiker aus Rheinland-Pfalz regelmäßig über den großen Teich jetten und dort Lobbyarbeit betreiben? Davon ist der Innenminister fest überzeugt. "Uns gehen mittlerweile die Türen auf. Man ist bestens über uns informiert", sagt Roger Lewentz. Die deutsche Botschaft habe ihm versichert, kein anderes Bundesland habe eine so hohe Gesprächsdichte. Doch Lewentz weiß auch: "Der 1. FC Kaiserslautern und Bitburger Bier sind bessere Botschafter, als ich es je sein könnte."
Angesprochen hat der SPD-Politiker auch etwas, das viele Menschen in Deutschland ärgert: die Schnüffeleien des US-Geheimdienstes NSA. Lewentz räumt ein, nichts erreicht zu haben: "Da geht es mir wie der Kanzlerin. Das sehen die Amerikaner einfach anders als wir."Extra

Auf der Airbase Spangdahlem ist noch eine von ehemals drei F16-Staffeln mit 29 Flugzeugen stationiert. Auf dem Gelände leben und arbeiten 3700 Militärangehörige, 250 US-Zivilisten und 850 deutsche Zivilisten. Im Umkreis leben 7000 amerikanische Angehörige. Seit 1994 wurde rund eine Milliarde US-Dollar investiert. Zuletzt wurde ein Fitnesszentrum eröffnet.fcg