Überflüssiges Gesetz

Ja, was denn nun, Bundesgesundheitsminister Horst Seehofer? Kommt das Rauchverbot nun, wie Sie am Wochenende in einer Sonntagszeitung vollmundig angekündigt haben? Oder kommt es (vorerst) doch noch nicht, wie sie gestern plötzlich verlautbaren ließen?

Ziemlich verwirrend, derartige verbale Rollen vorwärts und wieder zurück. Aber das sind die Wähler von ihren politischen Vorturnern ja auch schon etwas länger gewöhnt. Sei's drum, Fakt ist jedenfalls: Ein Rauchverbot in der ansonsten europäischen Vorreiter-Republik Deutschland ist so überflüssig wie ein Kropf. Wo etwas auch ohne staatlichen Zwang funktioniert, da braucht es keine Gesetze, Vorschriften oder Verbote. Das Thema Rauchen ist dafür fast schon ein klassisches Beispiel. Auch ohne offizielles Qualm-Verbot weisen immer mehr Gaststätten und Restaurants Nichtraucherzonen aus oder machen aus ihren Gasträumen gleich ein komplett nikotinfreies Lokal. In der Regel freiwillig und auch, weil es viele Gäste begrüßen. Beispiele dafür gibt's in und um Trier mittlerweile zur Genüge. Ähnliches gilt auch für öffentliche Einrichtungen. Dass in kompletten Gebäuden noch geraucht werden darf, ist die absolute Ausnahme. Meist gibt's noch ein, zwei Zimmer, in denen sich die Raucher gegenseitig zuqualmen dürfen. Staatlicher Handlungsbedarf also? Keiner! Selbst auf den meisten Bahnsteigen ist das Rauchen inzwischen tabu, obwohl unter freiem Himmel die Belästigung der Nichtraucher eher gering sein dürfte. Absehbar, dass dieser "Verdrängungswettbewerb" der Raucher weiter zunehmen wird. Und das - aus Sicht der Tabak-Gegner - Schöne daran: Es funktioniert ohne staatliche Bevormundung. Somit kann sich auch Minister Seehofer seine Kapriolen getrost sparen. Ein gesetzliches Rauchverbot ist überflüssig. r.seydewitz@volksfreund.de