Überrollt von Schumi & Co

TRIER. Ist "Rock am Ring" in der Eifel bald schon Vergangenheit? Konzertveranstalter Marek Lieberberg kritisiert im TV -Interview die Nürburgring GmbH, die den Pfingsttermin an die Formel 1 vergeben will.

Herr Lieberberg, Sie haben der Nürburgring GmbH ein Ultimatum gestellt: Heute erwarten Sie eine Antwort, ob "Rock am Ring" wie geplant an Pfingsten steigen kann - womit rechnen Sie? Lieberberg: Wir haben eine gültige Vereinbarung mit dem Nürburgring, dass "Rock am Ring" wieder an Pfingsten stattfindet. Das wurde uns noch im September bestätigt. Jetzt haben wir die Nürburgring GmbH aufgefordert, sich zu dieser Vereinbarung zu bekennen. Sie muss den Wirrwarr aufklären, den sie zum Teil selbst verursacht hat. Der Nürburgring hat den Pfingst-Termin zwei Mal vergeben - den Schuh muss sich die Nürburgring GmbH anziehen, nicht wir. Die Nürburgring GmbH hat bereits verlauten lassen, dass der Formel-1-Termin an Pfingsten in trockenen Tüchern ist. Glauben Sie an die Kehrtwende? Lieberberg: Der Nürburgring hat sich überrollen lassen von Bernie Ecclestone. Nun muss er schauen, dass er das Chaos beseitigt. Wir gehen davon aus, dass unser Termin stattfindet. Klappt das nicht, gibt es von uns ganz erhebliche Schadenersatzforderungen. Wir sind sehr zuversichtlich, dass wir unser Recht bekommen werden. Wenn an Pfingsten doch die Motoren dröhnen sollten - wie sehen die Alternativen für "Rock am Ring" aus? Lieberberg: Viele Alternativen gibt es nicht. Wir halten uns alle Möglichkeiten offen. Eine Alternative ist der Hockenheimring - wenn die uns entgegen kommen, überlegen wir, ob die Veranstaltung nicht insgesamt nach Hockenheim abwandert. Da hätte sich der Nürburgring zweifach Schaden zugefügt. Wann wurden Sie von den Formel 1-Plänen an Pfingsten informiert? Lieberberg: Das habe ich aus den Medien erfahren. Es hat uns niemand vom Nürburgring in Kenntnis gesetzt, dass der uns verbindlich zugesagte Termin angeblich dem Grand Prix zufallen soll. Der Nürburgring steckt im Dilemma - aber man löst ein Dilemma nicht, indem man Chaos anrichtet und dabei den besten Geschäftspartner verprellt. Es gehört schon ein großes Maß an Naivität dazu, zu glauben, dass das ganze Chaos durch Stillschweigen oder Aussitzen zu beseitigen ist. Das klingt richtig nach Ärger Lieberberg: Wir sind nicht "amused" - um es englisch zu sagen. Ist doch klar: Wenn man nach 20 Jahren Zusammenarbeit dermaßen vor den Kopf gestoßen wird. Als First-Class-Partner muss man sich schon fragen: Was ist da eigentlich los? Erst lässt man die Bombe einschlagen und dann fragt man: Können wir helfen? Mit Konzertveranstalter Marek Lieberberg sprach unser Redakteur Andreas Feichtner.

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