| 21:44 Uhr

Ulla Schmidt fliegt

Bundesgesundheitsministerin Ulla Schmidt hat eine erste Konsequenz aus der "Dienstwagen-Affäre" gezogen: Sie wird vorerst nicht dem "Regierungsteam" von SPD-Kanzlerkandidat Frank-Walter Steinmeier angehören. Von unserem Korrespondenten Hagen Strauß

Berlin. An diesen Tag wird sich Ulla Schmidt ewig erinnern. Als sie um 13.20 Uhr am Berliner Flughafen Tegel ankommt, warten schon Heerscharen von Journalisten und Kamerateams auf die SPD-Frau. Schmidt, braungebrannt, verkniffen lächelnd, einen kleinen Rollkoffer an der Hand, geht nach der Landung erhobenen Hauptes schnurstracks durch die Menge - vor allem aber: Sie tut dies schweigsam. Kein Wort kommt der Gesundheitsministerin über die Lippen. Ende eines Spanienurlaubs, der eigentlich als vergnügliche und erholsame Ferienreise begann. Und der nun als persönliches und politisches Debakel endet.

Die gute Nachricht zuerst: Der gestohlene Dienstwagen von Ulla Schmidt ist wieder da. Der 100 000 Euro teure Mercedes wurde in der Nähe von Alicante gefunden - "nach allem, was wir wissen, ist er unbeschädigt", so das Ministerium. Um 16.02 Uhr kommt dann wie erwartet die schlechte Nachricht über die Agenturen - zumindest aus Sicht von Ulla Schmidt: Sie bleibt zwar Ministerin, wird dem Kompetenzteam von Frank-Walter Steinmeier aber so lange nicht angehören, bis die Vorwürfe vollständig durch den Bundesrechnungshof aufgeklärt sind. Das sagt Steinmeier später bei der Klausurtagung der SPD-Führung in Potsdam, zu der Schmidt gar nicht mehr anreist. Gegen 17.45 Uhr gibt sie dann eine Erklärung vor der Presse ab: Sie habe großes Verständnis dafür, dass die Bürger irritiert seien - durch die "Berichterstattung" allerdings. "Ich bitte sie, sich die sachlichen Argumente genau anzusehen und auch anzusehen, was wirklich geschehen ist", so Schmidt.

Aus 500 Euro Kosten für den Dienstwagen-Ausflug, wie das Ministerium zunächst behauptet hatte, sind inzwischen 3200 Euro geworden. Aus einem Schreiben von Schmidts Staatssekretär Klaus Theo Schröder an den Vorsitzenden des Haushaltsauschusses, Otto Fricke (FDP), das unserer Zeitung vorliegt, geht hervor, welche Kosten angefallen sind und noch angefallen wären, wenn der Wagen nicht geklaut worden wäre: Kraftstoff 440 Euro, Mautkosten Hin und Zurück 240 Euro, Reisekosten des Fahrers 320 Euro und Kosten für dessen Aufenthalt 2200 Euro. Mit dem Wagen, so Schröder, sei die für die Ministerin notwendige "Büromindestausstattung" an den Urlaubsort in Spanien transportiert worden - "Drucker, Computer, Papier etc." Das Schreiben hat die Luft für Schmidt noch dünner gemacht, so viel ist sicher.