Um jeden Preis

Keine Frage: US-Präsident George W. Bush will seine letzte Amtszeit vor allem darauf verwenden, sein durch den Irak-Krieg ramponiertes Bild für die Geschichtsbücher aufzupolieren. Und was würde besser dazu passen, wenn nach Jahrzehnten blutiger Konflikte endlich Israel und die Palästinenser zu einer dauerhaften Friedenslösung finden – ermuntert und begleitet von Bush?

Keine Frage: US-Präsident George W. Bush will seine letzte Amtszeit vor allem darauf verwenden, sein durch den Irak-Krieg ramponiertes Bild für die Geschichtsbücher aufzupolieren. Und was würde besser dazu passen, wenn nach Jahrzehnten blutiger Konflikte endlich Israel und die Palästinenser zu einer dauerhaften Friedenslösung finden – ermuntert und begleitet von Bush? Wie das Treffen mit dem palästinensischen Präsidenten und Hoffnungsträger Mahmud Abbas in Washington jetzt zeigte, ist der US-Präsident für das Endziel sogar bereit, bestimmte bisher gültige Prinzipien über Bord zu werfen. So überraschten die deutlichen wie harschen Abmahnungen gegenüber Israel, dem wichtigsten Partner der USA im Nahen Osten, in Bezug auf die Siedlungspolitik im Westjordanland und den Verlauf des Schutzzauns. Gleichzeitig steht Bush offenbar unter dem Eindruck, dass er einen politischen Erfolg in Nahost nur dann erringen wird, wenn er den Druck auf Mahmud Abbas verringert und von Maximalforderungen abrückt. Mit Verwunderung registrierten vor allem israelische Diplomaten, dass der US-Präsident vom Palästinenserchef nicht mehr verlangt, militante Organisationen wie die Hamas zu entwaffnen und aufzulösen. In Washington war jetzt nur noch von einer "Reform der Sicherheitskräfte" die Rede, die man sich wünsche. Doch Bush begibt sich damit auf einen gefährlichen Drahtseilakt. Denn ein allzu laxer Umgang von Abbas mit jenen, die Israel weiter nur als Erzfeind und nicht als Verhandlungspartner sehen, wird am Ende nur dazu führen, dass Ariel Scharon bei neuen Attacken durch terroristische Gruppen das Heft in der Sicherheitsfrage wieder selbst in die Hand nehmen muss – mit den bekannten Folgen für den Friedensprozess. nachrichten.red@volksfreund.de