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Umstrittener Segen: Pfarrer aus der Eifel bei Pegida-Demo

Umstrittener Segen: Pfarrer aus der Eifel bei Pegida-Demo

Obwohl die katholische Kirche vor dem einst in der Eifel tätigen angeblichen Bischof warnt, ist er weiter aktiv.

Mit seinem Auftritt bei einer Pegida-Demonstration in München hat ein angeblicher katholischer Bischof für Schlagzeilen gesorgt. Der Priester ist auch in der Region Trier kein Unbekannter. Bis vor vier Jahren wirkte "Pater Markus", wie sich Markus Ramolla damals nennen ließ, in dem kleinen Eifelort Lierfeld bei Prüm. "Quasi über Nacht" hätten der Geistliche und zwei Seminaristen das Dorf im Oktober 2013 verlassen, erinnert sich sein ehemaliger Vermieter.
In München tauchte Pater Markus am vergangenen Freitag auf - bei einer Demonstration des bayerischen Pegida-Ablegers. Nach Beobachtungen des Informationsportals "Endstation Rechts" hat Ramolla auf dem Münchner Marienplatz ein drei Meter hohes Holzkreuz gesegnet. Ramollas "Predigt" habe zum rauen Pegida-Ton gepasst, schreibt das von der bayerischen SPD betriebene Informationsportal. Der Islam sei für Ramolla eine blutrünstige, satanistische und falsche Religion, Religionsfreiheit eine Häresie. Gott solle alle Irrtümer ausrotten in "unserem heiligen Vaterland", habe der Geistliche bei der Segnung des Holzkreuzes gesagt.

Weil nach der Demonstration im Internet über die Identität und Zugehörigkeit des in vollem Ornat auftretenden Priesters spekuliert wurde, meldete sich das Erzbistum München und Freising über Twitter zur Wort und stellte klar: "Die Kirche macht sich für Nächstenliebe stark - und die kennt keine Nationalität." Somit könne Ramolla "offensichtlich kein Priester der römisch-katholischen Kirche" sein.

Aber welcher Glaubensrichtung oder Kirche gehört der Mann aus Illertissen im schwäbischen Kreis Neu-Ulm denn dann an? Nach eigenen Angaben wurde der ehemalige Gärtnergehilfe, der zuvor Volks- und Hauptschule besucht hatte, vor zehn Jahren von dem traditionalistischen US-Bischof Daniel Lytle Dolan zum Priester geweiht. Dolan selbst war früher Mitglied der traditionalistischen Piusbruderschaft von Marcel Lefebvre, wurde aber Anfang der 80er Jahre ausgeschlossen.

Markus Ramolla zählt sich wie Dolan zu den sogenannten Sedisvakantisten (siehe Infokasten), eine ultrakonservative Gruppierung, die mit den innerkirchlichen Reformen der zurückliegenden fünf Jahrzehnte nichts anfangen kann.

Aber wie kam Ramolla in die Region Trier? Der ehemalige Gärtner hatte Kontakt zu dem (2012 verstorbenen) belgischen Priester Paul Schoonbroodt, der ebenfalls ein Traditionalist war. Nachdem Schoonbroodt 1988 exkommuniziert wurde, baute er in Steffeshausen unweit der Grenze zu Deutschland eine Kirche. Der belgische Geistliche hatte Kontakte nach Lierfeld, die schließlich dazu führten, dass Bruder Markus im September 2012 dort aufkreuzte und einzog - bei einer Familie aus dem Dorf, die nicht nur ein Ferienhaus und eine Kapelle hat, sondern auch etwas übrig für die alten kirchlichen Riten. "Er war freundlich, hat keinem etwas getan und ging viel spazieren", erinnert sich der Vermieter, der seinen Namen "lieber nicht" in der Zeitung lesen will, an den Mieter von damals.
Dass in der kleinen Privatkapelle regelmäßig Messen nach altem Ritus auf Latein gefeiert wurden, sprach sich in der traditionell gläubigen Gegend rasch herum. "Anfangs kamen immer etwa 30 Gläubige", erinnert sich der Vermieter, "später waren es nur noch halb so viele." Was zumindest teilweise auch daran gelegen haben dürfte, dass in den Pfarrbriefen der umliegenden Kirchengemeinden vor dem exkommunizierten "Wanderbischof" gewarnt wurde. Katholiken im Bistum Trier dürften "Herrn Ramollas" Aktivitäten nicht unterstützen und an den Gottesdiensten nicht teilnehmen.

Das Verhältnis zwischen dem Geistlichen und seinen Schäflein kühlte etwas ab. "Er wurde pampig, wenn die Leute nicht seiner Meinung waren", sagt der Vermieter. Eines Tages im Oktober 2013 sei Bruder Markus dann plötzlich weg gewesen und auch nicht mehr zurückgekommen. "Er ist wieder in Amerika", erzählten gemeinsame Bekannte dem ehemaligen Vermieter des vermeintlichen Bischofs.

Und was tut sich seitdem in der Lierfelder Privatkapelle? "Es werden weiter Gottesdienste nach altem Ritus auf Latein gefeiert", sagt der Besitzer. Alle 14 Tage komme ein junger holländischer Priester, der in Belgien wohne und ebenfalls zu den Sedisvakantisten gehöre: "Besser so jemand als gar kein Priester", meint der Lierfelder.Extra: KEIN SEGEN FÜR REFORMEN

Die konservativen Sedisvakantisten halten alle Päpste nach Pius XII. (1939 bis 1958) für modernistische Häretiker und sehen daher den Stuhl Petri seit dieser Zeit als unbesetzt an. Begründung: Ein "richtiger" Papst hätte die Reformen des Zweiten Vatikanischen Konzils (1962 bis 1965) niemals abgesegnet. Ein katholischer Priester, der den Papst nicht anerkennt, wird von der katholischen Kirche als exkommuniziert betrachtet. Dies gilt auch für Bischof Markus Ramolla.