Unbegreiflich

Israel definiert seineSicherheitslage anders als viele Europäer. Jede unbeaufsichtigte Tasche könnte eine Bombe beinhalten. Jeder Araber wird potenziell als Bedrohung gesehen. Dass die Israelis so empfinden, ist an sich nicht verwerflich.

Zu häufig ist das Land von Selbstmordattentaten überzogen worden, sind Unschuldige mit in den Kampf um Autorität und Autonomie gezogen worden. Doch das neue Gesetz der Regierung Ariel Sharon ist zutiefst menschenverachtend und muss auch in Israel Protest hervorrufen. Denn Palästinenser dürfen durch Heirat nicht mehr israelische Staatsbürger werden. Arabische Ehepaare - einer Israeli, einer Palästinener - müssen sich entscheiden: Entweder sie leben künftig getrennt, oder sie verlassen das Land. Und Kinder solcher Ehen dürfen auch nicht mehr in Israel bleiben. Wer das neue Gesetz missachtet, wird deportiert. Unglaublich. Unfassbar. Dabei geht es nicht nur darum, dass Menschen bewusst in ihr privates Unglück gestürzt werden. Hier werden Bürgerrechte mit Füßen getreten. Und, was die ganze Dimension des Rechtswerkes zeigt: Alle Anläufe, zu Verständnis und Annäherung zwischen Israelis und Palästinensern zu kommen, werden so zunichte gemacht. Die rechts-konservative Regierung provoziert damit nicht nur weitere Attentate, sie erweckt auch den Eindruck, alles Arabische aus der israelischen Gesellschaft verbannen zu wollen - was sie selbst mit diesen Mitteln nicht schaffen wird. Denn die Geschichte Israels bleibt untrennbar mit den Arabern verbunden - mit allen Gemeinsamkeiten und allen Differenzen zwischen den beiden Gruppen. s.schwadorf@volksfreund.de