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Und am Donnerstag wird Skat geklopft...

Jeden Donnerstag Nachmittag betreut die ehrenamtliche Helferin Maria Clemens (Mitte) den demenzkranken Paul Steffen (rechts). Meistens komplettiert dann seine Frau Irmgard (links) die Skatrunde. TV-Foto: Christian Kremer
Jeden Donnerstag Nachmittag betreut die ehrenamtliche Helferin Maria Clemens (Mitte) den demenzkranken Paul Steffen (rechts). Meistens komplettiert dann seine Frau Irmgard (links) die Skatrunde. TV-Foto: Christian Kremer
In dünn besiedelten Regionen mit einer großen Fläche ist die Versorgung und Betreuung von Demenzkranken besonders schwierig. Besuchsdienste erleichtern den Angehörigen das Leben und verschaffen den Betroffenen Abwechslung und ein paar schöne Stunden. Von unserem Redaktionsmitglied Christian Kremer

Arzfeld/Bitburg. Donnerstag, 14.30 Uhr, in der 1442-Einwohner-Gemeinde Arzfeld: In einer kleinen Küche sitzen drei Menschen und spielen Karten. Eigentlich ist das nichts Besonderes, aber dieses Kartenspiel gehört zu dem Ehrenamt, das Maria Clemens (72) mit Leidenschaft ausfüllt.

Sie ist für das Spiel mit Irmgard und Paul Steffen extra aus dem 27 Kilometer entfernten Nusbaum angereist. Ihr Schützling, Paul Steffen (87), ist an Demenz erkrankt und braucht Betreuung - auch neben der täglichen Pflege durch den ambulanten Dienst.

Clemens verschafft ihm donnerstags ein paar schöne Stunden beim Kartenspielen. Irmgard Steffen bleibt meist zu Hause und komplettiert die Skatrunde. Manchmal nimmt sie eigene Termine wahr.

Auf dem Land ist es besonders schwierig



Wenn der Prophet nicht zum Berg kommt, kommt der Berg zum Propheten. So funktioniert das mit der mobilen Betreuung Demenzkranker. Das ist aber gerade im mehr als 1600 Quadratmeter großen Eifelkreis Bitburg-Prüm leichter gesagt als getan. Nichtsdestotrotz gibt es ein Caritas-Modellprojekt für Demenzkranke: den "Helferkreis Demenz". 20 ehrenamtliche Helfer unterstützen Demenzkranke, indem sie zu ihnen fahren und Zeit mit ihnen verbringen. Die Projektleiterinnen Marianne Johanns und Martina Alsfasser koordinieren die Arbeit.

Bis zum 31. März 2009 ist die Finanzierung des Modellprojekts gesichert. Wie es weitergeht, steht noch nicht fest. Aber die wissenschaftlichen Begleiter des Projekts, Professor Birgit Stappen und ihre Studenten von der katholischen Fachhochschule in Mainz, arbeiten daran, neue Finanzierungswege zu finden.

Indessen läuft die Projektarbeit einwandfrei. 2008 haben die Helfer bisher 1319 Stunden für eine Aufwandsentschädigung von drei Euro pro Stunde gearbeitet. Zurzeit sind elf Ehrenamtliche des Helferkreises im Einsatz, zwei werden gerade an interessierte Angehörige vermittelt. Etwa 15 Menschen warten darauf, dass auch sie Hilfe von Ehrenamtlichen bekommen.

"Problematisch ist, dass wir für eine so große Fläche zuständig sind", sagt Alsfasser. "Einen Helfer aus Prüm können wir nicht zu einem Interessenten aus Irrel schicken." Neben der räumlichen Nachbarschaft von Helfern und Betroffenen ist entscheidend, ob die Chemie zwischen den Leuten stimmt. Deshalb führen die Projektleiterinnen vorher Gespräche mit den Familien und den Ehrenamtlichen und versuchen, passend zu vermitteln. "Biografiearbeit ist ganz, ganz wichtig", erläutert Alsfasser.

Nur wenn die Ehrenamtlichen wissen, was die Betroffenen interessiert, können sie für individuellen Zeitvertreib sorgen.

Und genau das setzt Clemens bei Familie Steffen in die Praxis um. Seit anderthalb Jahren ist sie jeden Donnerstag von 14 bis 17 Uhr in Arzfeld. Dort verbringt sie ihre Zeit mit Paul Steffen.

Meistens spielen die drei dann Gesellschaftsspiele: "Manchmal Dame oder auch Mühle, am liebsten spielt Herr Steffen aber Skat", sagt Clemens. "Wir verlieren dann fast immer gegen ihn." Beim Skaten zählt Paul Steffen noch die Karten mit und weiß genau, was gespielt wurde. "Ich habe lang genug verloren, jetzt kann ich es", erzählt er.

Besuchsdienste gibt es auch in den anderen Regionen



Ähnliche Besuchsdienste findet man bei Stellen wie dem Anker-Projekt des Deutschen-Roten-Kreuz-Kreisverbandes Trier-Saarburg, dem Caritas-Projekt "Atempause" in Schweich sowie dem Projekt "Demenz zu Hause leben" im Kreis Bernkastel-Wittlich.

Allen Hilfsangeboten gemeinsam ist die große Nachfrage nach Unterstützung und die relativ dünne Besetzung mit ehrenamtlichen Helfern. Da besteht überall noch ein großer Bedarf. Vergissmeinnicht Wenn Sie spenden wollen… Falls Sie Aktionen planen, als Firma, Verein, Initiative etwas unternehmen wollen oder eine besondere Spende an Vergissmeinnicht planen, sagen Sie uns Bescheid, wir veröffentlichen es gern. Infos und Anlaufstelle ist unsere Hotline 01801/997799, Mo bis Fr, 8 bis 18 Uhr, oder per Mail d.lintz@volksfreund.de. Für Infomaterial, Spendenboxen oder fachliche Nachfragen steht das Demenzzentrum Trier bereit (0651/4604747). Die Aktion "Vergissmeinnicht" wird von zwanzig Fach- und Anlaufstellen in der Region Trier unterstützt. (Dil)