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Und jetzt Dürre - Die Extreme häufen sich

Und jetzt Dürre - Die Extreme häufen sich

Nach den Starkregen des vergangenen Sommers und den Spätfrösten des Frühjahrs macht nun extreme Trockenheit der Region zu schaffen. Experten sehen in der Häufung der Wetterkapriolen eine Folge des Klimawandels.

Trier. Viele dürften das Jahr 2003 noch in lebhafter Erinnerung haben. Es war extrem heiß, sonnig und trocken. Freibadwetter. Wochenlang. Wer sich damals die Mühe machte, täglich mit Gießkannen durch den Garten zu laufen, erntete Himbeeren und Tomaten, so rot und aromatisch, wie es sie rund um den 50. Breitengrad nur selten gibt.
Menschen mit Gießkannen waren allerdings nicht überall gerne gesehen. Wurde das Wasser doch stellenweise knapp. So bat die Moselgemeinde Enkirch ihre Bürger damals, aufs Autowaschen oder die Gartenbewässerung zu verzichten.
Inzwischen scheint es, kommen die Extreme zum einen häufiger und zum anderen auf leiseren Sohlen. Mag 2003 auch das letzte richtig heiße Jahr sein, an das mancher sich erinnert. 2014, 2015 und 2016 waren unterm Strich viel heißer: Sie waren die jeweils wärmsten Jahre, die bis dahin gemessen wurden, und brachen so einen Temperaturrekord nach dem nächsten.
Auch die Dürre, die seit vielen Monaten herrscht, hat sich eher unauffällig angeschlichen. Es ist ja nicht so, als wäre ständig schönes, warmes Wetter. Im Gegenteil: Spätfröste haben der Natur schwer zu schaffen gemacht (siehe Text unten auf der Seite). Es regnet nur einfach viel zu wenig. Wer keinen Garten hat oder kein Gespür für die Natur, wer nicht Bauer oder Winzer ist, dem fällt das womöglich gar nicht auf.
Dabei reicht ein Blick auf den Dürremonitor des Helmholtz-Zentrums für Umweltforschung (UFZ), um zu sehen, dass die Lage längst dramatisch ist: Auf einer Karte, die die Trockensituation Deutschlands darstellt, leuchtet die Region Trier in Rottönen, die für "extreme Dürre" oder gar "außergewöhnliche Dürre" stehen (siehe Karte rechts). Diese Karte bildet den Zustand des Bodens bis in 1.80 Meter Tiefe in den vergangenen 30 Tagen ab. Wie Andreas Marx vom UFZ erklärt, bedeutet "außergewöhnliche Dürre", dass der Boden so trocken ist wie statistisch nur alle 30 Jahre.
Kein Wunder. Seit den katastrophalen Starkregen des Sommers 2016, die vielerorts zu Überschwemmungen, Schlammlawinen oder Bergrutschen führten, waren sowohl der Herbst 2016 als auch der Winter und das Frühjahr 2017 viel zu trocken. "Das ist schon ungewöhnlich", sagt TV-Wetterexperte Dominik Jung. Auch Manfred Zelder, Bauernsprecher im Kreis Bernkastel-Wittlich, spricht von einer "komischen Situation, wie wir sie noch nicht erlebt haben".
So zeigen die Daten der Wetterstation Wittlich bei den Niederschlägen folgende Abweichungen vom langjährigen Mittelwert: Juli 2016: -64 Prozent, August: -50 Prozent, September: -69 Prozent, Oktober: -45 Prozent, November: -28 Prozent. Dezember: -84 Prozent, Januar 2017: -50 Prozent, Februar: -23 Prozent, März: -41 Prozent, April: -91 Prozent, Mai: -42 Prozent.
Trockenschäden sind da ziemlich wahrscheinlich. Frisch gepflanzte Bäume gehen ein. Das Gras wächst schlecht und nach dem Mähen brauchen Wiesen lange, um wieder grün zu werden. Die ersten Grünschnitte brachten nur die Hälfte des üblichen Ertrags.
Daher verarbeitet mancher Viehhalter nun Getreide zu Viehfutter. Auch das Korn leidet laut Zelder stellenweise unter der Trockenheit. Bauernpräsident Michael Horper will allerdings noch keine Katastrophe ausrufen. Das Jahr sei noch lang. Und ein ordentlicher Regen könnte vieles wieder gutmachen.
Immerhin: Die Trockenheit hat auch ihr Gutes: Der Tabak wächst prima und Pilzkrankheiten haben kaum eine Chance, sich auszubreiten.
Dennoch bleibt bei manchem angesichts der vielen Wetterkapriolen ein ungutes Gefühl. "Die Häufigkeit des seltsamen Wetters wird wohl mit dem Klimawandel zu tun haben", sagt Regino Esch (Landesvorsitzender von Bioland) - eine Herausforderung. Müssten Betriebe so doch noch effizienter mit den vorhandenen Ressourcen umgehen.
In der Tat führen Experten wie Ulrich Matthes vom rheinland-pfälzischen Kompetenzzentrum für Klimawandelfolgen die Häufung der Wetterextreme auf den Klimawandel zurück. Dieser hat Rheinland-Pfalz seit 1881 einen Temperaturanstieg von 1,5 Grad beschert.
Nach Ansicht der Klimaforscher müssen Rheinland-Pfälzer so öfter damit rechnen, dass Starkregen ihre Keller überschwemmen, Spätfröste ihre Erdbeeren zerstören, Wirbelstürme Dächer abdecken, Hagelkörner Autos zerbeulen oder auch, dass Wasser in Dürreperioden zum knappen und wertvollen Gut wird.Extra: TRINKWASSER


Das luxemburgische Umweltministerium hat wegen drohender Trinkwasserknappheit eine Vorwarnphase ausgerufen: Alle Kommunen wurden aufgefordert, sparsam zu sein. Sportplätze, Parks oder Friedhöfe sollen nicht mehr bewässert, Flächen nicht mehr abgespritzt und Springbrunnen abgeschaltet werden. In Nommern gilt bereits die Alarmphase Orange: Privatleuten ist es verboten, Autos zu waschen, Flächen mit Wasser zu reinigen, Teiche und Schwimmbecken zu füllen oder Gärten zu bewässern. Für die Region Trier gibt es zwar keine Warnstufe und keine Verbote, doch ist die Trinkwasser-Situation stellenweise ähnlich angespannt - zum Beispiel in Karl bei Großlittgen, ein Dorf, das über Quellen und nicht über Tiefbrunnen versorgt wird. Der Pegel der Riveristalsperre, die normalerweise 80 Prozent des Trinkwassers für Trier liefert, ist von 319 auf 311,50 Meter gefallen. Um die Talsperre zu schonen, bezieht die Stadt daher nun 70 Prozent ihres Trinkwassers aus Tiefbrunnen im Kylltal. Die Versorgungssituation ist den Stadtwerken zufolge gut.