Unerträglich!

Der kleine Kevin in Bremen, Jessica in Hamburg, jetzt Leon in Sömerda bei Erfurt. Drei von fast 200 Kindern, die in Deutschland jedes Jahr sterben, weil ihre Eltern sie totschlagen, sie verhungern oder verdursten lassen.

Kinder, die keine Chance auf Leben haben, weil Jugendämter chronisch unterbesetzt sind oder - wie in Bremen - unglaublich schlampen, weil dieses Land sich nicht konsequent um das Wohl derjenigen kümmert, die sich selbst nicht wehren können. Leon ist elend verdurstet, während die staatlichen Mühlen einmal mehr entsetzlich langsam mahlten bei dem Versuch, ihn aus seiner hoffnungslosen Situation herauszuholen. Die Sichtweise auf diese ungeheuerlichen Verbrechen ist in diesem Land mittlerweile völlig pervertiert. Zuerst wird das tote Kind betrauert, und fast im gleichen Atemzug sucht alle Welt nach Entschuldigungen für diejenigen, die solch abscheuliche Taten begehen. Und wieder hören wir die alte Leier. Die Frau ist erst 20, fällt vermutlich noch unter Jugendstrafrecht, sie hat sich überfordert gefühlt. Deshalb hat sie die Kinder allein gelassen, sich tagelang zu einer Freundin verdrückt. Aber vorsätzlich hat sie den kleinen Leon selbstverständlich nicht getötet. Wie blöd darf man denn sein, um nicht zu wissen, dass ein zehn Monate alter Junge, der tagelang nichts zu essen und zu trinken bekommt, elend verdurstet? Es ist diese ganze Litanei von Erklärungsversuchen, die solche Taten noch unerträglicher macht. Das Töten von Kindern erscheint fast wie ein zwangsläufiger Ausbruch von Naturgewalten. Entsprechend niedrig sind häufig die Strafen. Aber auch schwierige Verhältnisse entschuldigen nicht jede Untat. d.schwickerath@volksfreund.de