Ungeheuerlich!

Die Bahn macht mal wieder ihrem Ruf alle Ehre: kundenunfreundlich und miserables Beschwerdemanagement. Und sie tut alles, um dieses Image zu festigen. Kulanz und Service scheinen Fremdworte zu sein. Nun kriminalisiert sie sogar noch ihre ehrlichen Kunden.

Keine Frage: Echte Schwarzfahrer, die bewusst ohne Ticket unterwegs sind, gehören bestraft. Rein rechtlich mag die Bahn bei diesem Vorfall auch auf der sicheren Seite sein: Wer im Regionalzug keine Fahrkarte hat, fährt schwarz, so sind nun mal die Bestimmungen. Doch menschlich ist diese Haltung völlig daneben, zeigt sie doch mal wieder, was die Bahn von ihren Kunden hält: nämlich nichts. Der Vorfall offenbart ein seltsames Verständnis von Service. Nicht die Bahn ist für ihre Kunden da, sondern die Kunden für die Bahn - ein typisches Verhalten eines arroganten Monopolisten. Verständlich, dass sich die Bahn hinter ihre Mitarbeiter stellt und deren Verhalten verteidigt. Doch einen jungen Menschen, der sicherlich nicht zu den notorischen Querulanten gehört, derart vor den Kopf zu stoßen und ihn quasi als Kriminellen abzustempeln, ist ungeheuerlich. So vergrault man sich sogar die überzeugtesten Stammkunden. b.wientjes@volksfreund.de