Unhaltbare Situation

Muss ich, muss ich nicht, muss ich? Die Frage, ob sie zu Bundeswehr oder Zivildienst herangezogen werden, ist für junge Männer zur großen Unbekannten geworden. Wer erst einmal abwartet, hat beste Chancen, um den Pflichtdienst herumzukommen.

Logisch, dass ein Großteil genau das versucht - erst recht angesichts einer Arbeitswelt, die immer jüngere Hochschulabsolventen mit immer mehr fachbezogenen Praktika erwartet! Darauf zu setzen, dass die Zahl der Einberufungen in Zukunft nennenswert steigt, ist blauäugig. Die Bundeswehr ist gerade erst zur schlagkräftigen kleinen Truppe zurechtgestutzt worden, Vorstöße des christdemokratischen Verteidigungsministers Franz-Josef Jung in die andere Richtung sind weder sinnvoll noch durchsetzbar - und erst recht nicht zu finanzieren. Die Zahl der Wehrdienstleistenden und damit auch die der Zivis wird deshalb niedrig bleiben. Zu niedrig, um eine gerechte Einberufungspraxis gewährleisten zu können. Die Lösung? Wehrpflicht und Zivildienst abschaffen! Viele Experten halten eine Berufsarmee angesichts der geänderten Aufgaben ohnehin für sinnvoll, und dass die Bundeswehr aus dem Volk heraus getragen sein müsse, ist angesichts der Einberufungszahlen kein ernst zu nehmendes Argument mehr. Die sozialen Einrichtungen indes haben schon in den vergangenen Jahren zunehmend Abschied von den Zivildienstleistenden genommen. Bei entsprechendem Vorlauf und geschicktem Ausbau von Angeboten wie dem Freiwilligen Sozialen Jahr werden sie die Abschaffung des Zivildienstes leicht verschmerzen. In Zukunft sollten junge Männer - wie derzeit schon die Frauen - Planungssicherheit haben: Ich muss nicht. Aber ich kann, wenn ich will. i.kreutz@volksfreund.de

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