Unnötige Diskussion

Rund 364 Milliarden Euro haben Schwarzarbeiter im vergangenen Jahr am deutschen Fiskus und den Sozialsystemen vorbei verdient. Eine stattliche Summe. Finanzminister Hans Eichel tut gut daran, die Schattenwirtschaft mit aller Macht zu bekämpfen.

Doch der Referenten-Entwurf zur Veränderung der Schwarzarbeiter-Gesetze hat der Sache wohl mehr geschadet als genutzt. Kaum nämlich, dass die Pläne ans Licht der Öffentlichkeit gekommen waren, stieg die Welle der Empörung gegen den Entwurf an. Nicht etwa, weil die Deutschen ein Volk von Schwarzarbeitern sind, sondern, weil offensichtlich das Gefühl vorherrscht, dass wieder einmal mit Kanonen auf Spatzen geschossen wird. Die Putzfrau, die brutto für netto das Wohnzimmer putzt und die Hemden bügelt - eine Kriminelle? Das geht vielen einfach zu weit. Und so rudert nun Rot-Grün genau in diesem Punkt zurück. Warum die Regierungskoalition diese Diskussion überhaupt angefangen hat, wird wohl immer ihr Geheimnis bleiben. Jetzt jedenfalls müssen sich Eichel & Co. auf die Form der Schwarzarbeit konzentrieren, die der Wirtschaft und der Gesellschaft im großen Stil schadet. Professionell organisierte Schwarzarbeit, wie sie am Bau und in der Gastronomie häufig vorkommt und die ehrlichen Betriebe in den Ruin treibt. Hier lohnt es sich, die Kontrollen zu verschärfen und drastische Strafen auszusprechen. Wenn Eichels Kontrolleure spuren, wird der Wachstumsmarkt Schwarzarbeit bald auf dem absteigenden Ast sein, und der Finanzminister kann sich über einen besseren Kassenstand freuen. h.waschbuesch@volksfreund.de

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