Unsichtbare Spuren

TRIER. Nach drei Monaten ist das Gewaltverbrechen an einem 64-jährigen Rentner aus Konz-Karthaus aufgeklärt. Seit gestern sitzt ein 45 Jahre alter Tatverdächtiger in Untersuchungshaft. Dass er geschnappt wurde, ist nicht zuletzt ein Verdienst des Kommissariats K 7. Die Trierer Kriminaltechniker sichern sogar Spuren, die man mit bloßem Auge nicht sieht.

"Nein", sagt Edmund Schmitt, Chef der Abteilung Kriminaltechnik im Trierer Polizeipräsidium, "nein", eine Flasche Sekt hätten er und seine Kollegen am Mittwochabend nicht aufgemacht. "Ja", räumt der 53-Jährige allerdings ein, "ein wenig stolz sind wir schon - nach einem solchen Fall." Dazu haben der Hauptkommissar und seine neun Mitarbeiter auch allen Grund. Ganz wesentlich ihrer akribischen Spurensuche und -sicherung ist es nämlich zu verdanken, dass das Gewaltverbrechen an einem 64-jährigen Rentner aus Konz-Karthaus nach drei Monaten aufgeklärt ist. Es war eine winzige, mit dem bloßen Auge nicht erkennbare Spur, die den am Mittwochabend festgenommenen Tatverdächtigen letztlich überführte: Schweiß am Deckel einer Parfumflasche, deren Inhalt in der Wohnung des Opfers als Brandbeschleuniger benutzt wurde. Aus den von den Trierer Kriminaltechnikern gesicherten Sekretspuren extrahierten Experten des Mainzer Landeskriminalamts den genetischen Fingerabdruck, der den Ermittlern schließlich half, den 45-jährigen Trierer zu überführen. Der geständige Mann sitzt seit gestern Nachmittag in Untersuchungshaft. Für die Tatortgruppe um Hauptkommissar Edmund Geisen nur ein Fall von vielen. Jährlich rund 500 Mal rücken seine Spurensammler zu Tatorten im ehemaligen Regierungsbezirk und sogar darüber hinaus aus, nicht immer zu solch schlagzeilenträchtigen Gewaltverbrechen wie im Fall des getöteten Rentners in Konz-Karthaus. Auch bei Bränden wie gestern Morgen in der Trierer Frauenstraße, größeren Einbrüchen, Banküberfällen oder Sexualdelikten sind die Frauen und Männer vom K 7 gefragt. Wenn das in der Regel aus zwei Kriminaltechnikern und einem Fotografen bestehende Team an einen Tatort kommt, "ist Sauberkeit und behutsames Vorgehen" oberstes Gebot, sagt Schmitt. Daher auch die weißen Schutzanzüge, die die Kripobeamten überziehen, um den vorhandenen Spuren keine neuen eigenen hinzuzufügen. Zwei bis drei Tage kann es schon mal dauern, bis alle Kontakt- und Gebrauchsspuren gesichert sind. "Manchmal sind es einige hundert, die anschließend auch noch bewertet und ausgewertet werden müssen", sagt der Hauptkommissar. Sisyphusarbeit, die Zeit braucht und die sich am Ende - wie der Fall Konz-Karthaus zeigt - meist auszahlt. Was aber machen die Trierer Kriminaltechniker, wenn an einem Tatort einmal keine Fingerabdrücke, Hautschuppen, Sekret- oder sonstige Spuren zu finden sind? K-7-Chef Edmund Schmitt muss schmunzeln. "Einen solchen Fall", sagt der Hauptkommissar, "gibt es nicht."

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