Unsinnige Aufsplittung

Zugegeben: Fünf Milliarden Euro sind verdammt viel Geld, vor allem, wenn man so tief in den Miesen steht wie der Bund. Fünf Milliarden Euro, das hat der ehemalige Bau- und damit Ex-Umzugsminister Kurt Bodewig geschätzt, würde eine Komplettverlegung der Regierung von Bonn nach Berlin kosten.

Am Rhein haben immer noch sechs (von insgesamt 14) Ministerien ihren Hauptsitz, obwohl die politische Musik auch in diesen Ressorts schon seit Jahren in Berlin spielt. Mit der Zweiteilung sollte die ehemalige Bundeshauptstadt für den "Titelverlust" entschädigt werden. Was Mitte der 90er-Jahre womöglich sinnvoll war, um das beamtenmäßig jahrzehntelang aufgepäppelte Bonn nicht plötzlich in ein Loch fallen zu lassen, kann heute nur noch Kopfschütteln verursachen. Die Zweiteilung des Regierungsapparats ist uneffektiv und verursacht Zusatzkosten, der Beamtenstadl pendelt ständig zwischen Bonn und Berlin anstatt zu arbeiten. Es ist ein offenes Geheimnis, dass auch in den Bonner Ministerien nur Karriere macht, wer sich in die "Außenstelle" Berlin versetzen lässt. Dort halten sich schließlich auch die Chefs auf, dort fallen die wichtigen Entscheidungen. Höchste Zeit also, dass ein neues Bonn-Berlin-Gesetz dem Rechnung trägt und die unsinnige Aufsplittung beendet. Dass ausgerechnet der Bundesrechnungshof vor ein paar Jahren zu dem Ergebnis kam, die Zweiteilung sei wirtschaftlicher als ein Komplettumzug an die Spree, ist nicht verwunderlich. Sitz der Bundesbehörde ist nämlich Bonn. Zögen dort die letzten Ministerien Richtung Berlin ab, hätte auch der Rechnungshof am Rhein nichts mehr verloren. r.seydewitz@volksfreund.de