1. Nachrichten
  2. Themen des Tages

Unter den Soldaten macht sich Frust breit

Unter den Soldaten macht sich Frust breit

Berlin. (dpa) Der Wehrbeauftragte des Bundestags, Reinhold Robbe, sieht das Vertrauen der Soldaten in Bundeswehr und Politik durch immer höhere Anforderungen bei gleichzeitigen Geldkürzungen erschüttert.

Als Sprecher des rechten Seeheimer Kreises der SPD legte sich Reinhold Robbe früher gern mit den Parteilinken an. Seine Berufung zum Wehrbeauftragten des Bundestages vor einem Jahr wäre deshalb beinahe an der eigenen Fraktion gescheitert. Jetzt, bei der Vorlage seines ersten Jahresberichtes, zeigt sich der Mann aus Leer wieder einmal friesisch herb. "Immer mehr Leistungen, immer weniger Geld", dieses Motto gelte für die Bundeswehr, meinte der Wehrbeauftragte gestern in Berlin. Reden und Handeln der Politik stimmten nicht überein. Hier Lob für die Auslandseinsätze, dort aber "immer weniger im Portemonnaie der Soldaten". Frustration mache sich breit, sagte Robbe und schloss: "Die Bundeswehr ist keine Kuh, die man melken kann". Robbe beruft sich auf 56 Inspektionsbesuche bei der Truppe und 5600 Beschwerden, die seine Dienststelle erreichten. Das sind zwar zehn Prozent weniger als im letzten Jahr, aber für Robbe kein Signal der Entspannung. Im Gegenteil: Die Bundeswehr leide unter permanenter Unterfinanzierung. Das macht sich laut Robbe zum Beispiel an mangelhaften Beförderungsmöglichkeiten bemerkbar. Vor allem die Unteroffiziers- und Feldwebelanwärter seien tief enttäuscht. Dass der Sold in den neuen Ländern noch immer niedriger ist als im Westen, ist für Robbe ein besonders kritischer Punkt. Zudem belaste die Soldaten, dass der Umbau der Bundeswehr weiter mit Hochdruck vorangetrieben werde, aber gleichzeitig die Zahl der Auslandseinsätze zunehme. Die sanitätsärztliche Versorgung an den Heimatstandorten habe sich zum Beispiel durch die Auslandseinsätze erheblich verschlechtert, berichtete Robbe. "Wer immer neue Einsätze beschließt, muss auch klar zu den finanziellen Konsequenzen stehen", forderte der 51jährige Politiker, der selbst nicht den Wehrdienst, sondern den Zivildienst absolviert hat.