Unübersehbares Signal

Wie verzweifelt müssen Menschen sein, die ihre Unterkunft anzünden - wissend, dass sie damit ihr Leben aufs Spiel setzen? Der Brand im Abschiebe-Trakt der Justizvollzugsanstalt Schrassig führt einmal mehr die Dramatik von Abschiebungen vor Augen: das Aus des Traums von einem Leben jenseits von Hunger und Krieg, ein Zusammenbruch der einzigen Perspektive.

Auch wenn die Motive erst noch geklärt werden müssen: Die Vermutung liegt nahe, dass die Bedingungen für abgelehnte Asylbewerber im Großherzogtum das tragische Feuer angefacht haben. Immer wieder werden Klagen über eine katastrophale Überbelegung des Schrassiger Gefängnisses laut. Und die rigide Abschiebepraxis im Großherzogtum sorgt in regelmäßigen Abständen für Empörung: Familien, die jahrelang in Luxemburg lebten, wurden zur Ausreise gezwungen. Zuletzt protestierten im vergangenen Herbst große Teile der Öffentlichkeit gegen das Vorgehen der Behörden. Abgewiesene Asylbewerber haben in den vergangenen Monaten mehrfach versucht, ihre Zellen in Schrassig anzuzünden - vergleichbare Fälle sind in deutschen Abschiebe-Anstalten sehr selten. Immerhin: Ende 2005 wurde ein neues Asylgesetz verabschiedet, das unter anderem eine Beschleunigung des Verfahrens vorsieht. Flüchtlinge sollen nicht mehr jahrelang auf eine Entscheidung warten. Beschlossen ist auch ein Abschiebezentrum, so dass abgelehnte Asylbewerber nicht ins überfüllte Gefängnis gesperrt werden müssen. Erste Weichen für eine Verbesserung der Situation von Asylbewerbern im Großherzogtum sind also gestellt. Der Brand vom Montag ist ein unübersehbares Signal für die Verantwortlichen, dass sie den Zug mit Volldampf in diese Richtung lenken müssen. i.kreutz@volksfreund.de